Krimihelden: Vom alten Rom bis ins mittelalterliche England

Die „Fünf Freunde“ von Enid Blyton waren es wohl, die bei mir den Funken gezündet haben für eine Leseleidenschaft, die bis heute anhält. Rätsel lösen, Geheimnissen auf die Spur kommen, Verbrecher dingfest machen, Gerechtigkeit herstellen. Darum geht es doch in Krimis, oder? Meistens jedenfalls.

Aus dem „Fünf-Freunde“-Alter bin ich schon sehr lang heraus. Aber meine Arbeit in einer großen deutschen Universitätsbibliothek machte es möglich, dass der Kriminachschub nie abriss. Einige meiner liebsten Krimihelden möchte ich hier vorstellen, in zeitlicher Reihenfolge ihres Handelns in der Weltgeschichte.

Im Korruptionssumpf: Marcus Didius Falco

ist Privatermittler im Rom des ersten nachchristlichen Jahrhunderts. Erdacht hat ihn die englische Autorin Lindsey Davis, und so spielt Marcus‘ Debut „Silberschweine“ zum Teil auch in Britannien. Der chronisch von Geldsorgen geplagte Plebejer wird zufällig Zeuge, wie eine Senatorentochter entführt wird. Zusammen mit seinem Freund Petronius Longus klärt er den Fall auf und gerät dabei in Kontakt mit höchsten gesellschaftlichen Kreisen. Dabei lernt er auch die schöne Helena kennen, ebenfalls Tochter eines Senators – und gänzlich außerhalb seiner Reichweite. Doch sie ist ihm zugetan und während Marcus in späteren Abenteuern sogar im Auftrag der Flavier sein Ermittlungsgeschick einsetzt, leben die beiden in wilder Ehe. Immer wieder kommt ihm die familiäre Bande zu Helenas Patrizierfamilie bei den Ermittlungen zugute.

Der schnoddrige Ton des Marcus Didius Falco macht die Lektüre zu einem wahren Vergnügen. Dieser Ton verliert sich bei den späteren Bänden der Serie (möglicherweise durch den Übersetzerwechsel), weshalb die Romane für mich ihren Reiz verloren. Für Fans des alten Rom allerdings sind sie durchaus empfehlenswert, weil die Autorin – aus meiner laienhaften Sicht – kenntnisreich in eine ferne Zeit entführt.

Im Gewirr der Gassen Londons: Sir John Cranston + Bruder Athelstan

In „Die Galerie der Nachtigallen“ lässt der englische Autor Paul Harding (Pseudonym des Historikers Paul Doherty) den trinkfreudigen und beleibten Coroner des Königs Edward III. und seinen gewitzten Schreiber zum ersten Mal auftreten. Die Serie lebt von der Gegensätzlichkeit der beiden Charaktere. John Cranston ist ein den sinnlichen Genüssen zugetaner Beamter des Königs, dem es an Gerechtigkeitssinn und Herzensgüte nicht mangelt, dafür aber manchmal an Geistesschärfe. Die hingegen besitzt sein Schreiber Athelstan, der im armen Londoner Stadtteil Southwark seine Schäfchen betreut, wenn er nicht zusammen mit Cranston Mörder aufspürt. Er ist das Hirn dieses Gespanns.

Die eigentliche Hauptfigur des Romans aber ist die Stadt London, die vor dem Auge des Lesers ersteht, als wäre man mittendrin im stinkenden Morast der Nachttöpfe, die morgens aus den Häusern gekippt wurden, umgeben von Beutelschneidern, Huren, Mördern und Spionen.

Vergnügliche Lektüre wünscht
Ihre und Eure Andrea Gunkler

Dieser Artikel erschien zuerst am 25.9.2016 im „Zweiundvierziger“, dem Blog der 42erAutoren, Kategorie Sonntagsserie.

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