„Katzen – das Buch“ von Claudia Rusch – eine Buchempfehlung

„Wer oder was hätten Sie sein mögen (wenn nicht Sie selbst)?
Diese Frage verstehe ich nicht.“
(Antwort einer Katze auf eine der Fragen aus „Prousts Fragebogen“)

Jemand sagte kürzlich, dem „Zweiundvierziger“ fehle der „cat-content“. Nun denn, dem soll mit diesem Artikel Abhilfe geschaffen werden; denn was verschafft einem YouTube-Kanal, einer Facebookseite, einem Blog mehr Klicks als Putziges über und von Katzen?

Hier soll es aber nicht um eine spezielle Katze gehen, um meine etwa oder den Kater der Nachbarn, hier geht es um ein Buch, das sich mit Katzen beschäftigt, ganz allgemein, dabei informativ, augenöffnend und höchst amüsant daherkommt, weshalb ich es allen Katzenfreunden und solchen, die es noch werden wollen, wärmstens ans Herz legen will. Ach, was sage ich: nach der Lektüre dieses Büchleins bleiben nur hartherzige Katzenhasser (zu denen ich mich übrigens zählte, bevor ich in einen Haushalt mit Katze gezogen bin).

Das etwa smartphonegroße Pappbändchen mit dem weinroten Rücken und dem silbernen Cover, von dem eine Getigerte den Buchhandlungsflaneur anschaut, trägt den schlichten Titel: „Katzen – das Buch“. Mit größter Akribie hat die Autorin Claudia Rusch darin zusammengetragen, was es über Katzen zu wissen – und zu irren – gibt. Den Anfang macht eine nicht näher bezeichnete Katze, die den Proustschen Fragebogen ausgefüllt hat.

„Was schätzen Sie an Menschen am meisten?
Ganz klar, bedingungslose Unterwerfung.

Welche Eigenschaft schätzen Sie bei einer Frau am meisten?
Die Bereitschaft zum Dosenöffnen.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten bei anderen?
Leichte Verspätung beim Dosenöffnen.“

Claudia Rusch ist dem Namen „Katze“ auf die Spur gegangen und hat gleich weitere Bedeutungen des Begriffs entdeckt, botanische (Weidenkätzchen), astrologische (Sternbild Katze), zoologische (Meerkatze) und ganz unbiologische Nicht-Verwandte, wie sie etwa im Schiffs-, Berg-, Eisenbahn-, Waffen- oder Befestigungsbau vorkommen. Sie erklärt Katzenwäsche, Muskelkater, Katzenjammer, Katzengold und Katzenauge und warum es keineswegs unvorteilhaft sein muss, am Katzentisch zu sitzen. Auch untersucht sie die verschiedenen Weltreligionen und Hochkulturen darauf, welchen Stellenwert Katzen darin haben oder hatten, und sie beleuchtet die magischen Fähigkeiten unserer liebsten Haustiere, zum Beispiel die Eigenschaft, sich innerhalb des Bruchteils einer Sekunde in Luft aufzulösen.

Den größten Teil des Buches widmet Claudia Rusch aber dem Vorkommen von Katzen in der Kunst. Ob Musik, Bildhauerei, Malerei, Film, Internet, Literatur, Comic – Katzen scheinen die Menschen seit Jahrhunderten zu inspirieren. So auch Aldous Huxley, der das Folgende gesagt haben soll:

„Wenn du schreiben willst, schaff dir Katzen an.“

Ob Katzen, könnten sie einen Meißel schwingen oder Klavier spielen, ähnliche Kunstwerke zu Ehren ihrer Menschen schaffen würden, darf wohl bezweifelt werden. Und „Katzenmusik“ meint nicht etwa, dass hier ein Katerchen den Geigenbogen schwingt – aber das dürfte ja geläufig sein.

Hier ein paar Beispiele (querbeet aus den verschiedenen Kategorien):

  • „Der gestiefelte Kater“ (Märchen + Film)
  • „Kater Murr“ von E. T. A. Hoffmann (Literatur)
  • „Maus“ von Art Spiegelman (Comic)
  • Sarah Kirschs „Katzenleben“ (Literatur)
  • Stina und Mossy (Internetkategorie: sprechende Katzen)
  • „Grinsekatze“ aus Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ (Literatur und Film)
  • „Mrs. Norris“ und „Krummbein“ aus den Harry-Potter-Büchern und -Filmen
  • „Die Katze auf dem heißen Blechdach“, Theaterstück von Tennessee Williams (Film)
  • „Katzenwiegenlieder“ von Igor Strawinsky (Musik)
  • „Mademoiselle Julie Manet et un chat“ von Auguste Renoir (Malerei)
  • etc.

Um die Fülle an Informationen auch nur ansatzweise repräsentativ zu skizzieren, fehlt hier der Platz. Da müssen Sie schon selbst zum Buch greifen und sich das geballte Katzenwissen reinziehen – am liebsten vorlesend zu zweit oder mit mehreren (bevorzugt) Katzenbesitzern. Tun Sie es in Anwesenheit Ihrer Katze, und Sie werden sehen: sie merkt genau, dass von ihr die Rede ist.

Denn auch dieser Teil kommt im Buch keineswegs zu kurz: Katzen und ihr – für Menschen manchmal schwer nachvollziehbares – Verhalten. Claudia Ruschs Büchlein schafft Abhilfe. Sollte der Proustsche Fragebogen noch nicht erschöpfend Auskunft über das Wesen der Katze gegeben haben. In den Abschnitten über „populäre Irrtümer“, „gängigste Vorurteile“, „der Schwanz der Katze – und was er uns sagt“ und „live hacks for cats/humans“ wird der Katzeninteressierte rasch fündig. Ich für meinen Teil weiß jetzt, dass ich ein Lieblingsmensch bin. Allein dafür hat sich die Anschaffung dieses Büchleins gelohnt.

Ihre Andrea Gunkler

Claudia Rusch
Katzen – Das Buch
Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag, 2016
251 S.
12,00 €
ISBN 978-3-596-52109-8
(Amazon-Partner-Link)

Dieser Beitrag erschien zuerst am 8. März 2017 im 42er-Blog, Kategorie: Buchempfehlungen

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