Normseite

Die sogenannte „Normseite“ dient im Literaturbetrieb dazu, die Anzahl der Seiten eines Manuskripts zu ermitteln und daraus ggf. ein Honorar zu berechnen. Die Faustformel lautet dabei 30 Zeilen à 60 Zeichen = 1800 Zeichen pro Seite.

Wer sein Manuskript in Form von Normseiten abliefern will oder soll, der kann entweder einen bestehenden Text in die entsprechende Form bringen (nicht-proportionale Schrift, 12 pt, eineinhalbzeilig, etc.) oder eine Formatvorlage benutzen, die diesen Anforderungen genügt.

Mehrere Menschen haben sich bereits die Mühe gemacht, eine Formatvorlage für die verschiedenen Office-Pakete zu gestalten, und bieten sie zum Download an. Hier sind ein paar Links:

Wer das Office-Paket Papyrus benutzt, ist fein raus. In der speziell für Autoren gestaltete Version Papyrus-Autor lässt sich zwischen der Normseitendarstellung und der dem Autor genehmen Schreibfassung umschalten. Mehr zu dieser Software evtl. in einem späteren Beitrag.

Tempest – Sturm im Schreiberkopf

Ganz begeistert bin ich immer wieder, wenn Menschen ihr Wissen teilen. Einen ganzen Fundus davon bietet die seit über 10 Jahren erscheinende Online-Zeitschrift Tempest, zu lesen im Autorenforum, dem Wissensportal für AutorInnen.

Schon der monatliche Tipp im Editorial macht Spaß. Ein kleiner Happen für’s Schreibergemüt und sehr nützlich: Astrologieseiten benutzen für das Charakterblatt, Zeilen noch einmal schreiben, wenn der Schreibfluss stockt, sprachliche Stolpersteine durch lautes Vorlesen aus dem Weg räumen, nach Fotos suchen, die einen inspirieren können …

Los geht es mit dem Schreib-Kick. Jeden Monat wird eine kleine Übung vorgestellt, die einem auf die Sprünge helfen kann, z. B. im Januar: Echo-Texte. Zu vorhandenen Texten einen Werbetext schreiben oder einen Verriss, eine Person aus einem Text in eine andere Situation versetzen und Ähnliches. Im Februar dann: Kombiniere Charakter-Eigenschaften von Mutter, Freund, Geliebter, Feind und Nachbarn und lass diese Figur ein Abenteuer erleben. Genau richtig. um loszuschreiben.

Der Lesetipp verweist auf Webseiten, die sich mit dem Schreiben beschäftigen. Der vom Juni 2008 empfiehlt die Webseite von Andreas Eschbach, auf der er seinen „10-Punkte-TÜV“ vorstellt. (Warum kommt mir das so bekannt vor?)

Weiter geht es mit dem Autorenwissen. In der Januarausgabe 2010 wird zum Beispiel erklärt, wie man ein Anschreiben an einen Verlag gestaltet und wie man beim Einsenden eines Manuskripts vorgehen sollte. Die Februarausgabe wartet in dieser Rubrik mit Tipps von Autoren auf, die man zwar schon vielerorts gelesen hat (Lesen vor dem Schreiben, sich einen Plan machen, üben, durchhalten, mit Rückschlägen fertig werden), die für den Anfänger jedoch ermutigend klingen. Etwas Anderes würde man hier vermutlich auch nicht veröffentlichen.

Im Schreibkurs geht es in der Februarausgabe um das Planting, also das Pflanzen einer Idee, die im Text dann zu allerhand spannenden Wendungen führen kann. Dazu gibt es Textbeispiele und Übungen. Jede Menge Futter für die Schreibgruppe.

In Abständen nimmt sich ein Experte des Autorenforums eingeschickte Texte zur Brust und analysiert sie. Die Januarausgabe startete den Aufruf für „Spannung, der Unterleib der Literatur„. Zu dieser Rubrik können Leser Texte einsenden, die eine bestimmte Form erfüllen müssen, Hans Peter Roentgen – dessen neuestes Werk „3 Seiten für ein Exposé“ gerade erschienen ist und in der Februarausgabe eine Buchbesprechung erhalten hat – nimmt sich den Text vor und gibt Tipps, wie der Autor ihn spannender gestalten kann. Handfestes Lektorat also, von dem man als Leser vermutlich ebensoviel lernt wie der Einsender des Textes.

Nach Interviews mit Autoren, Buchbesprechungen und Verlagsportraits beantworten die Experten Fragen zu verschiedenen Bereichen (Schreibhandwerk, Literaturagenturen, Verlagen) bzw. Genres (Fantasy, Kinderbuch, Lyrik, Krimis). Beispiele: Wie überbrücke ich lange Zeitsprünge? Wie finde ich den Namen des zuständigen Lektors bei einem Verlag? In welchem Zustand befindet sich meine Leiche, wenn sie … liegt? (Die letzte Frage beantwortete übrigens die Schriftstellerin Nikola Hahn, deren historische Frankfurt-Krimis „Die Detektivin“ oder „Die Farbe von Kristall“ ich sehr gern gelesen habe.)

Lauter nützliche Dinge für Möchtegerns wie mich. Die Zeitschrift kann ich nur weiterempfehlen. (… und mir vielleicht Gedanken darüber machen, ob ich dieses Weblog hier weiterführen will, wenn im Tempest ohnehin schon alles steht – und noch viel mehr. Aber nein, ich will ja üben!)

Den Tempest kann man abonnieren wie einen Newsletter. Erscheint eine neue Ausgabe (jeweils in der Mitte eines Monats), wird sie an die angegebene E-Mail-Adresse geschickt. Die aktuelle Ausgabe erhalten ausschließlich Abonnenten, die früheren Ausgaben sind online auf der Webseite nachzulesen. Teil 1 enthält die oben erwähnten Rubriken (und vielen mehr), Teil 2 kommt mit Hinweisen auf Veranstaltungen, Messen, Wettbewerbe und Publikationsmöglichkeiten. Die Zeitschrift ist kostenlos im Internet zu lesen, die Redaktion bittet den regelmäßigen Leser um finanzielle Unterstützung, die mit 15 € pro Jahr (Richtwert) sehr knapp bemessen ist. Nach bisheriger Lektüre ist die Zeitschrift davon jeden Cent wert.

Mein Fazit: Danke und weiter so!

Andreas Eschbach: Übers Schreiben

Der deutsche Bestsellerautor Andreas Eschbach („Das Jesus-Projekt“, „Ausgebrannt“) verschafft uns auf seiner Homepage einen Blick in das Schaffen eines Schriftstellers. Er empfängt den Leser mit 11 Mythen über die Schriftstellerei und räumt sogleich mit ihnen auf.

Andreas Eschbach: Übers Schreiben

Es folgt eine Artikelserie von 9 Texten, in denen Eschbach sich zur Verlagssuche, zum Arbeitszimmer oder dazu äußert, wie man gut schreibt oder wie man von der Idee zum Roman kommt. Die Artikel scheinen beliebig gereiht, er beginnt mit dem Format für das Manuskript und endet mit dem „Wie“. Darunter versteht Eschbach die Erzählperspektive.

Mir hat am besten seine „10-Punkte-Text-ÜV“ gefallen, wobei „ÜV“ für „Überarbeitungsvorbereitung“ steht. So bezeichnet er seine Vorgehensweise beim Überarbeiten eines Textes. Eschbach gibt wertvolle Tipps zum Streichen. Es sind überwiegend stilistische Tipps, die er in diesem Artikel unterbringt. Außerdem erfährt man einiges über die verschiedenen Schritte: lesen, markieren, überarbeiten, laut lesen, überarbeiten, laut lesen, überarbeiten … vergleichen.

Zuletzt stellt Eschbach ein Textverarbeitungsprogramm vor, das speziell für die Bedürfnisse von Schriftstellern entwickelt wurde. Einige seiner eigenen Wünsche seien in die Programmierung eingeflossen, so Eschbach. Jeder kann sich davon einen eigenen Eindruck verschaffen, die Textverarbeitung kann kostenlos getestet werden.

Stephen King: Das Leben und das Schreiben

Nun also zu dem Buch, das Pate stand für den Namen dieses Weblogs. Den Buchtipp bekam ich von Anette Schwohl, unserer Kursleiterin der Textwerkstatt in Kühlungsborn Anfang März dieses Jahres.

Bücher von Autoren, die aus ihrer eigenen Praxis berichten, mag ich besonders. Und wenn Stephen King in seinen Romanen nur halb so anschaulich schreibt wie in diesem Büchlein, dann sollte ich einen seiner Romane lesen.

„Das Leben und das Schreiben“ gliedert sich in sechs Teile: je ein biographisches Stück am Anfang und am Ende des Buches, fünf Seiten darüber, was das Schreiben überhaupt ist (Telepathie) und zwei Teile über das Schreiben. Denen will ich mich in diesen Beitrag hauptsächlich widmen. Ganz am Schluss führt er ein Beispiel vor, wie der Unterschied zwischen dem Schreiben bei „geschlossener“ und „geöffneter“ Tür aussieht: er zeigt uns einen Text und erklärt uns, was er wie und warum überarbeitet hat. Getreu dem Schriftstellermotto: Show, don’t tell oder auf deutsch: Zeigen, nicht erklären.

Im ersten biographischen Teil erzählt er, wie er aufwuchs, seine ersten Texte verkaufte, seine Ehefrau kennenlernte, in Wäschereien und als Lehrer arbeitete, um seine Familie durchzubringen, schließlich „Carrie“ verkaufte für einen Betrag, der seine Frau in Tränen ausbrechen ließ, wie er Alkohol und Drogen verfiel und schließlich mit Hilfe seiner Frau wieder davon loskam.
Am Ende des Buches, das nach einem grauenvollen Unfall entstand, der ihn fast das Leben gekostet hatte, berichtet Stephen King, wie er unter Schmerzen wieder zum Schreiben zurückgefunden hat.

Die beiden Teile, die sich mit dem Schreiben beschäftigen, nennt er „Werkzeugkasten“ und „Über das Schreiben“.

Werkzeugkasten

Kings These lautet: Die meisten Werkzeuge zum Schreiben besitzen die meisten bereits. Manche brauchen nur ein bisschen Schmirgelpapier zum Glänzen. Seine Werkzeuge sollte man immer dabei haben und wenn sich ein Problem stellt, ist man gerüstet. In die oberen Schubladen eines Werkzeugskastens gehören seiner Meinung nach:

  1. Wortschatz: „Nehmen Sie das erste Wort, das Ihnen einfällt, wenn es passt und anschaulich ist.“
  2. Grammatik: Subjekt – Prädikat (- Objekt). Um verstanden zu werden, empfiehlt er, sich an die Regeln zu halten. Erst, wenn man genau weiß, was man tut, sollte ein Schriftsteller es wagen, mit den Regeln der Grammatik zu spielen.
  3. Stil: „Das Passiv sollten Sie meiden“ und „Meiden Sie das Adverb sind seine Kernaussagen. Besonders im Zusammenhang mit wörtlicher Rede hält King das Adverb für verabscheuungswürdig und er lehrt uns, dass „er sagte, sie sagte, Monica sagte“ ausreicht, um wörtliche Rede einzuleiten.
  4. Absätze: Sie sind dazu da, das Tempo eines Textes zu variieren. Zwischen elliptischen Formulierungen und mehrseitigen Absätzen ist alles möglich. Damit umzugehen, sagt King, erlernt man nur durch üben, üben, üben, bis man den Rhythmus im Blut hat.

Über das Schreiben

Seine Thesen lauten: Wer gut schreiben will, muss die Grundlagen beherrschen, also den Werkzeugkasten richtig bestückt haben. Aus einem schlechten Schriftsteller wird nie ein begabter und aus einem guten nie ein Genie. Doch wer hart arbeitet, kann es vom begabten zum guten Schriftsteller schaffen. Und wie dahin gelangen? King beschreibt es in fünfzehn Kapiteln anhand zahlreicher Beispiele:

  1. Viel lesen
    Also: Fernsehgerät aus und Buch zur Hand. Lesen bezeichnet King als „Kreativzentrum im Leben eines Schreibers“. Lesen kann man überall: in der Schlange beim Einchecken auf dem Flughafen, im Wartezimmer beim Arzt, sogar die Ergometer in Fitnesscentern seien inzwischen mit Halterungen für Bücher ausgestattet. Und für Vielautofahrer gibt es Hörbücher – aber nur die ungekürzten Lesungen.
  2. Viel schreiben
    Das Schreibpensum ist von Schriftsteller zu Schriftsteller unterschiedlich. King selbst kommt auf zehn Seiten pro Tag, ca. 2000 Wörter. Wenn er nicht jeden Tag schreibt, sagt er, verschwinden die Figuren aus seinem Kopf und er verliert Handlungsfaden und Erzähltempo. Schreiben ist für ihn Zeitvertreib.
  3. Der geeignete Ort
    ist für King ein Zimmer, das eine Tür hat, die man hinter sich schließen kann. Er setzt sich ein Ziel und rät dem Schreibwilligen, das auch zu tun und das Zimmer nicht eher zu verlassen, ehe das Ziel erreicht ist. Man kann trainieren, einen kreativen Zustand zu erreichen. Rituale machen das einfacher. Also: hinsetzen, schreiben!
  4. Jedem Schriftsteller sein Metier
    King ist der Überzeugung, jeder Schriftsteller habe das für ihn geeignete Thema. Manche schreiben Krimis, andere Science-Fiction. Anfangs wird man in dem Genre schreiben wollen, das man gern liest. Den Leitsatz mancher Schreibkurse „Schreib, was du kennst“ hält er für zu eng gefasst.
  5. Elemente einer Geschichte: Erzählung
    Vorgefertigte Handlungsstränge sind nichts für ihn. Er plant nicht, Texte entstehen bei ihm spontan, er schreibt, ausgehend von einer Situation, die ihn fesselt. Solche Situationen lassen sich mit der Frage „Was wäre, wenn?“ umschreiben. Dann kommen die Figuren, die Leben in die Geschichte bringen. Es interessiert den Leser, wie eine Figur mit einer bestimmten Situation umgeht, wie sie einen Konflikt löst. (Das Wort „Konflikt“ taucht selten auf, ob das am Übersetzer liegt?)
  6. Elemente einer Geschichte: Darstellung
    „Gekonnte Darstellung ist erlernbar.“ Was soll der Leser erfahren? Was kann er sich selbst denken? Die Balance zwischen schwacher Beschreibung und einem Übermaß an Informationen ist das Geheimnis: einige wenige Beobachtungen, die einen Charakter mit Wiedererkennungswert beschreiben. Und diese deutlich und einfach schreiben, ohne auf Klischees hereinzufallen. Damit das gelingt, sollte man üben, üben, üben.
  7. Elemente einer Geschichte: Dialog
    Anhand von Textauszügen zeigt King, wie gesprochene Sprache eine Figur charakterisieren kann. Er empfiehlt, sich immer wieder in Gespräche mit anderen Menschen zu begeben und zuzuhören. Dabei wird man bemerken, dass jede Figur ihre eigene Sprache hat. Sie kann gestelzt, unsicher, flapsig oder ordinär sein. Wichtig ist, dass sie glaubwürdig klingt.
  8. Figuren
    Seine Figuren entwickeln sich während des Schreibens, wenn er sie verschiedenen Situationen aussetzt. Je mehr sie an Kraft gewinnen, desto stärker nehmen sie Einfluss auf das Geschehen. Figuren sind nie eindimensional, sie haben Stärken und Schwächen, sympathische und abstoßende Eigenschaften. Es kommt darauf an, dass der Leser sich in sie hineinversetzen kann.
  9. Ausschmückungen
    „Troddeln und Quasten“ sind erlaubt, so lange der Text leserfreundlich bleibt. Manches erscheint dem Schreiber hinter geschlossenet Tür gelungen, was dem Leser nicht gefällt. King zitiert Hemingway: „Man muss seine Lieblinge töten.“ Symbolik gehört zu den Ausschmückungen. Entdeckt man sie, nachdem die Geschichte erzählt ist, kann man sie herausarbeiten. Kann sie die Handlung nicht bereichern, muss man nicht darauf herumreiten.
  10. Thematik
    Nach der ersten Fassung entscheidet der Schreiber, wovon das Buch handelt. Beim Überarbeiten gilt es, die Thematik klar herauszuarbeiten. Der Schreiber wird umstellen und verändern, Szenen hinzufügen, andere streichen. Das funktioniert erst, wenn die Thematik klar ist.
  11. Überarbeiten
    Die erste Fassung entsteht bei geschlossener Tür. Ist das geschafft, rät King zu einer langen Pause mit Urlaub oder einem anderen Projekt. Er empfiehlt, den Text nach etwa sechs Wochen am Stück zu lesen. Dann wird man schnell die Löcher in der Handlung und in der Figurenentwicklung entdecken. Der Werkzeugkasten (s. o.)  wird hervorgeholt und geschraubt: Szenen einfügen, die das Anliegen des Autors unterstreichen, Figuren und Passagen herausstreichen, die nichts beitragen. Nun beginnt die Phase der „geöffneten Tür“: die „idealen Leser“ (Testleser) sind an der Reihe. Deren Vorschläge sollte man sich gut anhören. Klingen sie einleuchtend, ist man gut beraten, sie zu beherzigen.
  12. Tempo und Vorgeschichte
    Ob das Tempo richtig gewählt ist, kann der ideale Leser gut beurteilen. Was ihn langweilt, fliegt raus („Tötet eure Lieblinge“). Ein Absageschreiben an King enthielt die Bemerkung: „Nicht schlecht, aber aufgebläht. Beim Überarbeiten kürzen. Formel: 1. Fassung – 10% = 2. Fassung. Viel Glück.“ Versteht der ideale Leser etwas nicht, fehlt Vorgeschichte. Und davon sollte man nur die interessanten Aspekte auswählen.

Die letzten Kapitel 13, 14 und 15 beschäftigen sich mit Recherchen, der Teilnahme an Schreibkursen sowie einigen Empfehlungen zur Verlagssuche. Da sie die amerikanischen Verhältnisse beschreiben, verzichte ich auf die Zusammenfassung. Das Beispiel eines Anschreibens an einen Verlag ist allerdings sehr anschaulich.

Kings Vergleiche mochte ich beim Lesen besonders. Er bezeichnet eine Geschichte, die er in einem Roman erzählen will, als archäologisches Fundstück, dass es sorgsam auszugraben gilt, ohne es zu beschädigen. Ist es freigelegt (erste Fassung), muss es vorsichtig präpariert werden, damit seine hervorragenden Eigenschaften glänzen (Überarbeitung).

Das Buch endet mit einer Ermutigung:

Sie können es, Sie dürfen es, und wenn Sie genug Mut für den Anfang aufbringen, dann schaffen Sie es auch. Schreiben ist Magie, ist das Wasser des Lebens, genau wie jede andere kreative Kunst auch. Es ist umsonst. Trinket also.
Trinket und erquicket euch.

Stephen King:
Das Leben und das Schreiben

München : Heyne, 2002 (330 S.)
Taschenbuch, 8,95 €

Über das Schreiben

Hatte ich erwähnt, dass ich Bücher von erfolgreichen Schriftstellern über das Schreiben liebe? Mehr noch als die vielen Werke, die sich dem „Creative writing“ widmen, einem in den angloamerikanischen Ländern durchaus weit verbreiteten Fach, das in Schulen und Universitäten gelehrt wird. Hierzulande fasste man das Thema bisher eher mit spitzen Fingern an. Viele Autoren von deutschsprachigen Büchern über kreatives Schreiben führen als Grund für die Ablehnung ins Feld, man sei zu sehr dem Glauben verhaftet, Schreiben sei eine Gabe und könne nicht erlernt werden. Doch das scheint sich zu ändern, vielleicht nicht zuletzt dank dieser Autoren, die selbst lehren: an der Universität Hildesheim und am Deutschen Literaturinstitut Leipzig gibt es Studiengänge für Kreatives Schreiben. Das Deutsche Literaturinstitut dürfte wohl die bekanntere Einrichtung sein; einige erfolreiche Schriftsteller wie Juli Zeh, Clemens Meyer, Patrick Findeis haben dort studiert. Absolventen des Studiengangs Kreatives Schreiben in Hildesheim sind z. B. Thomas Klupp und Paul Brodowsky.

Neben gedruckten Texten gibt es eine ganze Reihe interessanter Webseiten zum Thema.

In loser Folge will ich in diesem Weblog einige Texte aus meiner (virtuellen) Bibliothek vorstellen. Dazu zählen

  1. Texte aus Schriftstellerfeder, die dem Leser einen Einblick in deren Schaffen bieten, und
  2. solche von Schreibkursleitern oder Dozenten für kreatives Schreiben aus Deutschland und dem angloamerikanischen Raum, sowie
  3. Texte, die sich mit Stilfragen beschäftigen

In allen Kategorien gibt es sehr gute Veröffentlichungen. Von den „Schreibanleitungen“ haben mich die der ersten Kategorie am meisten angeregt, vor allem, wenn ich die Bücher der Schriftsteller kenne (z. B. Elizabeth George). Manche der zweiten Kategorie kommen staubtrocken daher wie ein Jura-Lehrbuch und ich habe sehr früh aufgegeben mit dem Lesen (z. B. Gabriele L. Rico: Garantiert schreiben lernen). Die Bücher der dritten Kategorie, die ich bisher gelesen habe, fand ich durchweg unterhaltsam. Kaum zu glauben, dass man Bücher über gutes Deutsch so locker aufbereiten kann. Obwohl: Bastian Sick beweist ja, dass es geht.

Damit steht das Lektüreprogramm für die nächsten Wochen …