Pink in Berlin

Autobahn, allgegenwärtig

Zwetschgenbaum

Genaues Zeichnen: 9.10.16, Tour de Windräder (Elgersbach, Donnertrift, Schiebelberg, Laufzeit: 2 h)

Sonnenstrahlen tasten die Äcker ab wie Suchscheinwerfer; könnten sie anhalten, leuchteten sie vielleicht den Gelbsenf aus, der am Hang gegenüber ihres Küchenfensters blühte, oder die Streuobstwiese, die man von ihrem Wohnzimmerfenster aus sehen konnte, und wo die Schatten der Obstbäume im Gras lagen wie riesige Lollipops.

Die Hügel, Kuppen und Berge entfernten sich in sich abschwächendem Blau, bis von den höchsten Erhebungen der Rhön nur noch eine Ahnung übrig war, die in den durchbrechenden Sonnenstrahlen allmählich verwusch.
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Stille

Stille Fotografie

(c) Andrea Gunkler 2016

50° 48′ 27“ N, 9° 32′ 59“ O

Süden

Der Wirtschaftsweg führt geradeaus, folgt dem Weihersbach talabwärts, Grasbüschel durchstoßen die Asphaltdecke. Links Straßenrandbewuchs mit Gräsern und Brennnesseln, darin versteckt ein Stacheldrahtzaun zur Talwiese. Rechts ein Flutgraben, darüber ansteigend die Wiese hinter einem Stacheldrahtzaun, davor Brennnesseln, Gräser und ein Holunderstrauch. „Stille“ weiterlesen

Recherchieren: Frisiersalon

Schaufenster eines Frisiersalons

Bad Hersfeld, ein Frisiersalon, 9.6.16, 12:20 – 12:40 Uhr

8 Spiegel in der Reihe, vor allen sitzen Kunden. 2 lesen mit Einwirkzeug auf dem Kopf. 6 werden behandelt: gestutzt, geschnippelt, gepinselt, gekämmt, rasiert – akkurat, freehand.
… Aruba … darunter hätte ich mir was anderes vorgestellt … lange Flugzeit … eine Insel jetzt … es gibt bestimmt schönere Inseln.
2 Friseurinnen auf Rollhockern, die anderen stehen.
Chlorgeruch, darüber Schampooparfum. Der Föhn scheucht Haarkringel über den Kunststoffholzboden. Husten über dem saloneigenen Kaffee.
Bisschen Gel rein oder lieber Spray? Spray?
Ein Kurzhaarschneider summt. Musik dudelt aus Deckenlautsprechern. Pop. Kabel klappern gegen den Frisiertisch.
Machen wir’s lieber gerade. Ich hab gedacht. Ist schon eine Weile her, der Schnitt. Machen wir einen Sommerschnitt.
Husten. Föhn dröhnt. Friseurinnen rufen sich etwas zu.
Scheitel sein, oder? … kein ganz so strenger Scheitel sein, oder?
Eine Fliege sucht Verwertbares.
Nach vier Wochen ist da kein Schnitt mehr drin. Zu hoch? Runter fällt’s von alleine … wo man immer rumwuscheln kann.
Gummibesen für die Haarkringel. Spritzen aus einer Wasserkugel. I’m on top of the world. Schnipp. Pinkfarbene Haarklammern wie für die Frisuren von Riesenkindern. Zeitung lesen. Illustrierte blättern.
Hab ich bisher immer selber gemacht. Ich schneid Ihnen das raus. Acht Euro siebenundzwanzig … aussieht … genau. Soll ich mal ein Glas Wasser holen? Das ist nicht normal. Das müssen Sie mal durchchecken lassen. Und jetzt kommt die Sonne raus und dann wieder Gewitter. Wie gestern. In zwei Wochen haben wir Besprechung. Aber geht auch so.
Haarspray stäubt. Tür klappert. Klaviermusik aus den Lautsprechern, immer noch Pop. Ein LKW draußen übertönt alles. Föhn föhnt, Kundin macht es sich selbst. Martinshorn. Kurzhaarschneider summt.
Ich warte nur.
Ein neunter Spiegel hinter dem Schrank. Lachen.
Tschühüs. Schönen Donnerstag. Und, ist es ok? Was machen wir denn rein? Packung oder Spülung?
Männerstimme kämpft gegen Föhn. Waschbeckengelenk ächzt. Noch ein Martinshorn.
Bisschen Haarfestiger oder nicht?