Nur Ärger

Nur Ärger (c) 2016 Andrea Gunkler

(c) Andrea Gunkler 2016

Meine Collagen bestehen aus Fundstücken, die ich bei meinen Spaziergängen am Wegesrand aufgesammelt habe: Weggeworfenes, Liegengelassenes, Verlorenes – aus der Natur Gefischtes, womit die Natur nichts anfangen kann. Aber ich.

Liste: 6.5.2016, Kirchheim-Reimboldshausen, Parkplatz Seepark, 7:00 – 7:20 Uhr

2 Eisbecher
3 Kaffeebecher
2 Ketchuptütchen, 1 voll
1 Pommesverpackung
2 Soßenbehälter
1 Kuchenverpackung
2 Zellophanhüllen
1 Hundenaschiverpackung
1 Zellophanpapier
1 Kunststoffscheibe
1 Papiertüte
1 Getränkehalterpappe
2 Krustenbratenverpackungen
2 Plastikstreifen
3 Zigarettenschachteln
1 Kaugummidose
15 Bonbonverpackungen
1 Pralinenverpackung
1 Milchshakedeckel
4 Kronkorken
2 Plastiklöffel
1 Safttütenstöpsel
1 Stileisverpackung
2 Feuerzeuge

Nur Ärger
Collage 2016
96,5 x 81 cm
Dispersion, Acryl (Mischtechnik), Müll mit Blattgoldauflage
auf ehemaliger Schrankrückwand (Hartfaserplatte)

Fotografieren: Am Lullusbrunnen

Bad Hersfeld, Rathaus (c) Andrea Gunkler 2016
(c) Andrea Gunkler 2016

Bad Hersfeld, Am Lullusbrunnen, Mittwoch 4.5.2016, 14:21 – 14:47 Uhr

#1 Schnitzeljagd

Vier Jugendliche auf der Rathaustreppe, über Klemmbretter gebeugt, suchen die Rathausfassade nach Antworten ab.

#2 Frischverliebt

Die Schwarzhaarige mit dem knallgelben Kosmetikeinkaufstütchen, Stolz im Blick, am Arm eines Schwarzbekappten, schreitet die Fußgängerzone hinauf.

#3 Kegelausflug

Die eisessende Rentnerherde in Braunbeige, trabt ihrem blauen Hirten hinterher; ein versprengtes Individuum sinniert vor dem Brunnen; eine Ausreißergruppe folgt, will zu Aldi.

#4 Familieneinkäufe

Die Blondaufgesteckte mit dunklem Ansatz, plappert ins Smartphone; das Kind schiebt den Wagen mit dem Kleinkind.

#5 Der Bischof

überbelichtet

#6 Samba

Die drei Schulmädchen, keuchen „nein“ und „doch“, immer abwechselnd; eins im orangefarbenen Tüll für den Karneval in Rio gekleidet.

#7 Brumm

Die Frau mit der rotfeurigen Naturkrause, erklärt dem Kind an der Hand das Motorrad vor der Ampel.

#8 Gewohnheit

Die Weißhaarige im königsblauen Fleece von letzter Woche; trägt heute sienafarbenes Leder und schiebt das Treckingrad in die andere Richtung.

#9 Pflasterschauen

Die zwei Männer mit Glatze, beobachten beide ihre Füße beim Gehen.

#10 Touristen

Die Frau mit dem Rea-Garvey-Knoten und der Grauhaarige mit dem Rucksack, studieren Fassaden mit Kamerasicht.

#11 Hüftschaden

Die Rotblondbraungescheckte, der Rucksack wiegt sich im Pinguinwackelschritt.

#12 Kaffeeklatsch

Die drei Blondgestriegelten, begutachten den Brunnen: eine erklärt, eine nickt, eine geht weiter.

#13 Einer wird’s schon richten

Die drei Schwarzhaarigen, palavern mit Gesten, bis einer geht und die anderen lachen.

#14 Formel 1 zu Fuß

Die acht Personen, ahmen hinter dem Rollstuhl eine Ziehharmonika nach.

#15 Shoppingopfer I

Die drei Bedaunten, halten einen Powwow über den Standort des Geldautomaten ab.

#16 Bürobote

Der Feuerpinsel mit Lederjacke und Röhrenjeans, schaut sich um und flieht fremden Blicken.

#17 Shoppingopfer II

Der Eisgraue, tigert zwischen Kundenfänger und Brunnen.

Soll ich dir Geld geben?

Soll ich dir Geld geben (c) Andrea Gunkler 2016

(c) Andrea Gunkler 2016

Meine Collagen bestehen aus Fundstücken, die ich bei meinen Spaziergängen am Wegesrand aufgesammelt habe: Weggeworfenes, Liegengelassenes, Verlorenes, aus der Natur Gefischtes, mit dem die Natur nichts anfangen kann. Aber ich.

Liste: 30.4.2016 Elgersbach-Schiebelberg (Laufzeit: 1 h, 15 min)

1 Pflanztopf
2 Stück Plastikfolie transparent
1 Getränkepackung
1 Zigarettenschachtel
1 Brillenputztuch
1 Plastikrohr mit Betonfüllung
2 Pappstreifen schwarz
4 Getränkedosen
1 Kaffeebecher
2 Kronkorken
1 Saftpaketverschluss
4 Platikstücke schwarz
1 Plastikstück blau
1 Plastikringsegment
1 Schnuller
1 Ohrmarke (Rind)
1 Zigarettenpapier
1 Puddingdeckel
1 Barcodeetikett
1 Lollistiel
1 Hundenaschiverpackung
1 Zellophanpapier
2 Stück Alufolie
2 Schokoriegelhüllen
1 Bonbonhülle
7 Stück Plastikfolie weiß
1 Rest eines Joghurtbechers
1 Stoffkornblume
2 Kabelbinder
1 Bonbonpackung

Soll ich dir Geld geben?
2016
85 x 81 cm
Dispersion, Acryl (Mischtechnik), Müll
auf ehemaliger Schrankrückwand (Hartfaserplatte)

Recherchieren: City-Galerie I

City-Galerie (c) Andrea Gunkler

Bad Hersfeld, City Galerie
Innen, 25.4.2016 und 26.4.2016, 10:39 – 11:11 und 10:16 – 10:23

Der Eingang zur Galerie ist ein Tunnel, der Besucher auf die Rolltreppe spuckt. Aufzüge, einer rechts im Eingangstunnel, einer links neben der Parfümerie. Keine Treppe. Rechts und links Gänge zu den Geschäften: links Schmuck, Brötchen, Fleisch, Bücher und Bekleidung rechts, zwischen Büchern und Bekleidung der Gang zu Toiletten und Tiefgarage. Toiletten ja, der Zugang zur Tiefgarage scheint geheim. Offener Raum, zwei Etagen hoch, das Untergeschoss sieht nur, wer sich auf die Rolltreppe stellt. Wieder keine Treppe. Die meisten Besucher drängen sich links an der Rolltreppe vorbei, vor der Bäckerei und der Metzgerei entlang zum hinteren Ausgang der Galerie. Hier rechts eine Drogerie, im Knick ein Reisebüro und anschließend eine Apotheke mit einer Plüschkuh vorm Eingang, lebensgroß.
Beton – Säulen, Stürze – eierschalenfarben gestrichen, die Fliesen hellgrau gesprenkelt, dunkelgraue Fugen. Die Zwischendecke rechts treppenförmig auskragend, drei Stufen, jede etwa dreißig Zentimeter hoch. Darüber das Geländer der Empore, Glaswände und Holzhandlauf, halbrund, Buche womöglich oder Birke. Säulen durchstoßen die Galerie von unten bis oben, etwas vom Geländer zurückgesetzt auf der einen Seite; man könnte hindurchgehen zwischen Geländer und Säulen. Wenige Menschen oben.
Über allem ein Pultdach aus Glas, Stahlkonstruktion, Rechteckscheiben, Streben zu den Fenstern für den Mechanismus, damit im Sommer Tauben einfliegen könnten. Im Abstand von sechs Stahlrahmen Lampen, nach umgestülpte Glasvasen größer als Eimer, mit Lochblechen über der Fassung, paarig angeordnet rechts und links der Glasluken, ein Stahlprofil Abstand dazwischen. Die Sonne malt Streifen an den Sturz links, wo die Strahlen von Streben aufgebrochen werden, und Quadrate auf den grauen Fußboden im Lichthof, wo die Ausstellungskuben Platz dafür lassen. Es könnte Sommer sein, wenn die Leute nicht dicke Jacken trügen. Sonnenkaros, strebendurchkreuzt, auch am Sturz über der Drogerie.
Lichtquadrate unter der Brücke der Empore, oben über der Galerie rechts Leuchttüllen mit dem Umfang von Kaffeetassen und runde Leuchten dahinter, über den Eingängen der Geschäfte, Glasrondelle zur Abschirmung, groß wie Kuchenteller. Auf der linken Seite der Galerie eine Reihe dieser runden Leuchten, dann in die Decke eingelassene Quadrate, indirektes Licht von den Rändern, darin paarig angeordnete quadratische Leuchten, Glasquadrate als Abschirmungen, vier Reihen hintereinander, dazwischen Notausgangsschilder. Links sind die Säulen breiter, tragen das Geländer der umlaufenden Empore, dreimal so dick wie die Säulen rechts.
Die Rolltreppe vom und zum Obergeschoss, vom und zum Untergeschoss, wummert unablässig. Im Lichthof raumhohe Ausstellungskuben, rot, gelb, blau, grün – Wanderkino mit Filmen über die Weimarer Republik – versperren Sichtachsen, verwehren Sitzplätze, verdunkeln die Stimmung.
Links hinter dem einsamen Schmuckgeschäft, halb noch im Eingangstunnel, ein Bäckereitresen, über Eck eine Essenstheke, Cafébetrieb, gemischte Sitzzone mit dem Metzger mit Mittagstisch nebenan, nur wenige Tische besetzt. Wandelemente mit Holzdekor als Raumteiler, schaffen so etwas wie Abgeschiedenheit. Rollwagen für benutztes Geschirr zwischen den Tischen, mannshoch, in feste Seitenwände montierte Fächer für Tabletts. Gäste sitzen neben Müll, Essensresten, benutztem Geschirr.
Um die Ecke, entlang des Gangs vor den Rollwagen und den Tischen, die Cafétheke, wo sich die Gäste Kaffee und Menüs auf Tellern abholen, wenn sie sitzen wollen. Spots in der Decke laufen bis über den Brötchenstand, immer zwei dicht nebeneinander, eingebaut in Gitterwürfel, die sich kippen lassen, die Leuchte auf die Wände gerichtet, Lichtflecken blenden im burgunderroten Firmenschild. Über der Essensausgabe so etwas wie Wärmelampen, tief abgesenkt über den Tresen, an der Decke befestigt mit grobgliedrigen Ketten, gedengeltes Kupfer die Deckenanschlussblende, geschliffenes Kupfer die Lampenschirme, die an Brauereien oder jahrhundertealte Gaststätten erinnern.
Am Bäckereitresen Brotlaibe in Regalen unter dem lichtfleckigen Firmenschild, runde, kastenförmige, längliche, zwölf oder dreizehn verschiedene Brotsorten, in der Vitrine davor Brötchen und Gebäck, süß und salzig. Eine Schlange hat sich gebildet. Die Verkäuferin findet für jeden Kunden die passende Ansprache, redet mit einem Kind, ob es etwas Süßes wolle, schaut die Kundschaft an, bis die Bestellung klar ist, zählt das Geld, behält die Kasse im Auge, wenn Kunden bezahlen, redet mit dem Brot, wenn sie die Sorten erklärt. Sie ist blond, nicht mehr ganz jung, aber auch noch nicht mittelalt, lehnt sich über die Theke, den Kunden entgegen, nennt den Preis, tütet Brote und Brötchen ein. Für die Umgebung hat sie keine Zeit. Ihre Stimme übertönt selbst das Dauergemurmel und -getrappel in der Galerie, das Rauschen der Rolltreppe, das Geschrei eines ungeduldigen Kindes. Der Duft von Brötchen wabert um die Schlange.

Wird fortgesetzt …

Was ich wirklich will

Was ich wirklich will (c) Andrea Gunkler 2016

(c) Andrea Gunkler 2016

Meine Collagen bestehen aus Fundstücken, die ich bei meinen Spaziergängen am Wegesrand aufgesammelt habe: Weggeworfenes, Liegengelassenes, Verlorenes, aus der Natur Gefischtes, womit die Natur nichts anfangen kann. Aber ich.

Liste: 19.4.2016 Hattenberg (Laufzeit: 1 h, 15 min)

4 Papierbänder gelb-rot
1 Stück Holzbeschichtung
2 Joghurtbecher Kirsch
1 Togo-Deckel
1 Hundenaschiverpackung
1 Schnupftücherpackung
2 Holzstücke
1 rotes Papierband
1 Zettelabriss
1 Kaudropsverpackung
1 Zigarettenpapier
1 Dr. Perl Junior Filter
1 Gummiband
1 Lollistab
3 Flaschendeckel (2 davon platt)
1 Kronkorken
1 Dosenring
2 braune Scherben
1 grüne Scherbe
5 Plastikscherben
1 Rücklichtscherbe
1 Plastikmesser
4 Computertasten (Shift, Alt, F3, E)

Liste: 21.4.2016 Fischteiche (Laufzeit: 1 h, 15 min)

1 Baumarktkassenzettel
1 rot-weißes Plastikband
6 Kunststoffstücke
2 Waffelplastikstücke
1 Rohrdichtung
1 Schnupftücherpackung
1 Hustenbonbonpackung
6 Pappplastikstreifen
1 Stück Wäscheleine
1 Keramikkorken
8 Gussplastikteile
1 Stück Plastik weiß

Was ich wirklich will
2016
78 x 64 cm
Dispersionsfarbe (Mischtechnik), Müll
auf ehemaliger Schrankrückwand (Hartfaserplatte)