schriftzeit von Stephan Waldscheidt

Und hier noch ein Hinweis auf einen wundervollen Blog zum Thema Schreiben und Veröffentlichen, gefunden in den Tiefen der Twitter-Vernetzung: schriftzeit. Mit Hilfe zahlreicher Beispiele und einer äußerst anschaulichen Sprache beleuchtet Stephan Waldscheidt die unterschiedlichen Aspekte des Schreibens. Nicht umsonst nennt er sein Blog im Untertitel “Wie Sie Romane schreiben, veröffentlichen, vermarkten und Ihre Leser verzaubern”. In den letzten Artikeln ging es – wie mir scheint – hauptsächlich um Letzteres. Und das ist es doch, was wir alle wollen: Begeisterte Leser, die uns zu Füßen liegen und speicheltriefend die Seiten unseres Buches umblättern.

Der Blog existiert seit Dezember 2010 und Waldscheidt ist ein fleißiger Schreiber. Autorinnen und Autoren, die gern mehr aus ihrem Schreiben machen möchten, werden bei ihm bestimmt fündig. Deshalb meine uneingeschränkte Leseempfehlung. Er legt einen anderen Schwerpunkt als Pia Helfferich in ihrem Blog. Beide ergänzen sich jedoch sehr gut, weil Waldscheidt sich mehr auf das Handwerkliche konzentriert, auf nützliche Tipps, was mein Text haben muss, damit er beim Leser funktioniert, ob nun in Sachen Humor, Spannung oder Dramaturgie allgemein oder wie ich den Leser schon mit dem ersten Satz fessle und ihm eine Stimmungsgrundlage biete. Es gibt eine Menge zu lernen bei ihm. Und jetzt weiß ich auch, was “anthimeria” ist.

Schreibberatung und Schreibcoaching von Pia Helfferich

Seit Februar 2011 betreibt Pia Helfferich, selbst Autorin und Dozentin für kreatives Schreiben, den Blog “Schreibberatung & Schreibcoaching – einfach besser schreiben”. Ihr Ziel ist es, Autoren dabei zu unterstützen, dass sie ihrem Schreibfluss freien Lauf lassen können und Hemmungen überwinden. Dabei widmet sie sich sowohl den Grundlagen des kreativen Schreibens selbst als auch den Tücken und Freuden des Schaffensprozesses. Von mir eine eindeutige Leseempfehlung. Pia Helfferich ist mir durch die Lektüre des “Tempest” ein Begriff. Sie schreibt aber auch für die “Federwelt” und das TextArt-Magazin für kreatives Schreiben.

Birgit Böckli: Wie ich es sehe

Meine geschätzte Autorenkollegin Birgit Böckli, die ich leider bisher nur virtuell aus dem neobooks-Basecamp kenne, macht sich auf ihrer Homepage Gedanken. Über das Schreiben. Abseits dessen, was man in gängigen Schreibratgebern findet, erklärt sie dem geneigten Leser, was sie beim Schreiben erlebt, wie sie vorgeht. Dazu hat sie die Reihe “Wie ich es sehe” ins Leben gerufen.

Bisher hat sie zwei Beiträge dazu verfasst. Der eine beschäftigt sich mit den Figuren. Sie ist der Ansicht, dass in einem Text nicht haarklein zu lesen sein muss, welche Augenfarbe ein Protagonist hat, was er trägt oder wie lang seine Haare sind. Sie überlässt es lieber dem Leser, sich ein eigenes Bild von der Figur zu machen. Ihr zweiter Artikel hat den Schreibstil zum Thema. Sie empfiehlt dem jungen Autor, er möge vielleicht nicht so sehr auf einen eigenen Schreibstil bedacht sein, eine Wortwahl und Ausdruckweise, die ihn als Schriftsteller unverkennbar macht. Vielmehr wünscht sie dem Autor, er möge seine Figuren so gut kennen, dass im Geschriebenen deren Stil, deren Ausdruckweise in den Vordergrund tritt.

Birgit wird ihre Reihe “Wie ich es sehe” hoffentlich noch um weitere inspirierte Artikel erweitern. Ich persönlich folge ihr nicht in allem, was sie schreibt. Sie hat mich allerdings zum Nachdenken angeregt.

Mit ihrem Krimi “Friesensturm” und der Kurzgeschichtensammlung “Und dennoch ist es Leben” hat sie es in die Top10 der ersten beiden Wettbewerbe auf neobooks.com gebracht.

DPRs Krimilabor auf der Krimi-Couch

Was in der Krimi-Szene so los ist und was Krimischriftsteller tun oder möglichst lieber lassen soll, dazu äußert sich dpr alias Dieter Paul Rudolph in seiner Kolumne “DPRs Krimilabor”, die seit August 2009 monatlich auf der “Krimi-Couch” erscheint.

DPR erklärt, wie man Spannung aufbaut und sie ruckzuck wieder zunichte macht, warum eine Kolumne “Frauen und Krimis” eigentlich unnötig ist oder welche 10 Dinge man beachten sollte, um einem Krimi garantiert der Erfolglosigkeit anheimzugeben. Er beschäftigt sich mit Erzählperspektive, dem deutschsprachigen Kriminalroman und analysiert, was sich übers Jahr auf dem Krimimarkt getan hat.

dpr wirft einen amüsanten Blick hinter die Kulissen des Kriminalromans. Seine Kolumnen sind sowohl für (angehende) Kriminalschriftsteller als auch für Leser ein Gewinn.

Fundamentalpoetologischer Lesetipp

In einem Artikel in der Wochenzeitung “Die ZEIT” äußerte sich Juli Zeh 2006 zum immer wieder aufkeimenden Anspruch an die Literatur, sie möge authentisch sein. Im Zeitalter von Reality Shows und Exhibitionismus bzw. Voyeurismus in der Unterhaltungsindustrie suche man auch in der Literatur nach echten Personen oder Vorgängen. Dabei ginge die Literatur verloren, erklärt sie.

Zwischenruf: Zur Hölle mit der Authentizität (Juli  Zeh)

Ihren Text habe ich verlinkt auf der Seite von Professor Albert Meier vom Institut für Neue Deutsche Literatur und Medien der Universiät Kiel gefunden. Von dieser Seite stammt auch die Überschrift für diesen Artikel. Für den Link auf seiner Seite greift Meier außerdem auf den Ausruf Juli Zehs am Ende ihres Artikels zurück: “Mon dieu – stay fictional!”