Mein erster Buchmessenbesuch seit mehr als sechs Jahren stand unter völlig anderen Vorzeichen als meine bisherigen Besuche. Waren sie früher eine willkommene Abwechslung von der Bibliothekarbeit, hieß es in diesem Jahr: Kontakte pflegen. Und zwar zu Autorinnen und Autoren sowie Verlagsmenschen, die ich bisher nur virtuell kannte aus Foren und von E-Book-Plattformen.
Ich fand es spannend, zu den Büchern, die ich als unbedarfte Bibliothekarin damals nur als bedrucktes Papier in den Regalen sah, nun auch ihre Schöpfer zu treffen und einige davon mit ihren Werken abzulichten. Dazu zählten zum Beispiel:
- Susanne Gerdom, die aus ihrem Buch “Das gefrorene Lachen” las
- Silke Porath und Ulrike Renk, die ich am Stand von Schwarzkopf & Schwarzkopf traf und die mir lachend ihr Gemeinschaftswerk “Schokolade ist auch nur Gemüse” präsentierten
- Inge Lütt, die mir die Sammlung “Mein lesbisches Auge 10 (Jahrbuch)” zeigte
- Birgit Böckli, Nancy Salchow und Susanna Ernst, die am neobooks-Stand über ihr Schreiben und ihre Werke plauderten
Wobei sich die Werke der zuletzt Aufgeführten nicht einmal in den Regalen befunden hätten – denn wie stellt man E-Books aus? Dafür sind die Autorinnen äußerst real. Getroffen habe ich auch den zweiten Preisträger des 1. Deutschen E-Book-Preises, der von satzweiss.com und der Agentur Chichilli ausgelobt wurde. Schade, dass ich die Preisverleihung nicht abgewartet habe, Thomas. Herzlichen Glückwunsch Dir und allen anderen Preisträgern.
Euch alle werde ich künftig mit ganz anderen “Ohren” in den Foren lesen. Beinahe so wie nach einer Lesung. Wenn ich später ein Werk des Autors zur Hand nahm, höre ich den Text beinahe mit seiner Stimme.
Darüber hinaus gab es ein Wiedersehen mit Ex-Kolleginnen uns Frankfurt, viele anregende Gespräche und neue Impulse für meinen “Düsternmord”. Manchmal genügt ein Fetzen, ein Wort, ein Gedanke, um die eingefahrenen Überlegungen zur Überarbeitung in neue Fahrwasser zu lenken.
Und natürlich wurde der Voyer in mir mehr als bedient. Gleich am Freitagvormittag saß am Stand von S. Fischer Peter Stamm, dessen Erzählungen “Seerücken” ich gerade erst zwei Abende zuvor beendet hatte. Dem Impuls, hinzugehen und “Hallo” zu sagen, konnte ich gerade noch widerstehen. Er gehört zu den Schriftstellern, die mir aus seinen Texten seltsam vertraut erscheinen, obwohl ich den Menschen dahinter natürlich nicht kenne. Dennoch: Mir kommt es vor, als wären wir alte Bekannte. Ihm winkte, den Rollkoffer schon in der Hand, Feridun Zaimoglu, der mir in den Holtenau-Arkaden in Kiel schon einmal begegnet ist, und Alice Schwarzer, flankiert von zwei Pressedamen, kam mir durch die Kalenderausstellung entgegen.
Zurückblickend: Eine lohnende Buchmesse und ein gelungener Ausflug.
