Krimihelden: Im Kopf des Killers – Tony Hill + Carol Jordan

Der Sirenengesang des Ermittlergespanns der schottischen Autorin Val McDermid suchte mich auf dem Flughafen von Cancun heim, als ich in einer Buchhandlung nach Lektüre für den langen Heimflug suchte. 2002 erschien der erste Band der Serie „The Mermaids Singing“ (dt.: „Das Lied der Sirenen“). Der Name der Autorin sagte mir nichts, wahrscheinlich zog mich das türkis-silbrige Cover der englischen Originalausgabe in seinen Bann. Und die ersten Sätze. Wie sie es oft tut, lässt McDermid im ersten Fall für Hill und Jordan den Täter als Ersten zu Wort kommen.

„You always remember the first time. Isn’t that what they say about sex? How much more true it is of murder.”
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Mord auf der Insel

Detering: Wer liebt, stirbt zweimal - Umschlagbild

Monika Detering: Wer liebt, stirbt zweimal (Insel-Krimi) – dp Digital Publishers 2016

Die Auricher Kripo-Kommissarin Carla Bernstiel tritt ihren Saisondienst auf der Ferieninsel Langeoog an. Außer mit Ruhestörungen und Fahrraddiebstählen bekommen sie und ihr einheimischer Kollege Gerrit Blau selten anderes zu tun im Inselrevier. Doch mit dem beschaulichen Dienst ist es vorbei, als die Feuerwehrsirenen tönen. Der Brand hat keinen allzu großen Schaden hinterlassen, doch findet die Feuerwehr auf dem Dachboden des Hauses zwei Mädchen, eines davon tot, das andere schwer verletzt. Die Besitzerin des Hauses weilt irgendwo am Bodensee. Als die Identität der Mädchen endlich geklärt ist, müssen Carla und Gerrit die Eltern mit einer unerträglichen Situation konfrontieren: Welche von beiden ist nun tot? Die lebenslustige Jördis, die zuletzt tiefe Persönlichkeitsveränderungen durchgemacht hat, oder ihre Freundin, die etwas biedere Ilka? Hat ein den Eltern unbekannter Freund die Mädchen erschlagen? Und was haben „die Auserwählten“, die zur Heilung sämtlicher Krankheiten ins „Haus der Insel“ laden, mit der ganzen Sache zu tun oder die Zettel mit den Gedichtzeilen, die am Brandhaus und an der Buchhandlung klebten?

Monika Detering spinnt in „Wer liebt, stirbt zweimal“ einen raffinierten Krimi zurecht, gespickt mit falschen Spuren, Missverständnissen und Aneinandervorbeiradeln. Der Leser ahnt viel mehr als die Kommissare wissen – die ziemlich damit beschäftigt sind, sich in dem kleinen Revier auf eine Form der Zusammenarbeit zu einigen. Für Gerrit Blau, der das ganze Jahr über allein sein Revier betreut, ist es alles andere als einfach, sich für den Sommer von einer Ranghöheren etwas sagen zu lassen. Erschwert wird die Arbeit noch durch die Insellage. Beweismittel müssen über die Nordsee geschippert werden, und wenn die Fähre weg ist, ist die Fähre weg. Monika Detering nutzt diese Situation einige Male, besonders um Carla Bernstiel eine Auszeit von den Inselquerelen zu gönnen, überstrapaziert sie aber nicht. Mittendrin, als die Ermittlungen nicht recht vorankommen wollen, bildet Staatsanwalt Storm eine SOKO und schickt die Polizistin Kirsten Köppel zur Unterstützung auf die Insel; noch ein Stein in Carla Bernstiels Weg, den sie gern allein geht. Was jedoch die Ursache für die Hassliebe zwischen ihr und Kirsten ist, erfährt der Leser in diesem Band nicht. Auch nicht, welche Gespenster der Kommissarin Kopfschmerzen bereiten. Sind das etwa Hinweise auf eine Fortsetzung?

Das Verhalten der Eltern in dieser schwierigen Situation schildert Monika Detering eindrucksvoll. Jeder reagiert anders: Bestürzung, Trauer, Agonie, Schuldzuweisung. Die eine Mutter traut sich nicht, ihr Glück zu zeigen, dass ihre Tochter überlebt hat, während die andere dem überlebenden Mädchen die Schuld für den Tod ihrer Tochter gibt. Deshalb können sie auch nur begrenzt zur Auflösung des Mordfalls beitragen.

Bei aller Ernsthaftigkeit des Themas fehlt es dem Roman nicht an Witz und originellen Einfällen. Eine „Duschszene“ sticht dabei ganz klar hervor – obwohl die für den sonst eher ruhigen Krimi fast schon parodistisch wirkt. Die Tagung der „Auserwählten“ hätte ich mir ausführlicher gewünscht, hier wäre sicher noch mehr Platz für Komik gewesen. Originell wiederum, was sich Monika Detering für die – letztendlich gescheiterte – Beseitigung des Tatwerkzeugs hat einfallen lassen. Darauf muss man erst einmal kommen.

Einen – eher anderthalb Punkte – fehlen dennoch zur vollen 5-Sterne-Wertung. Und das liegt nicht etwa an der Geschichte, sondern an der Umsetzung. So gehen manchmal die Namen durcheinander und der Leser muss aufpassen, den Faden der Geschichte dabei zu behalten. Wer darüber hinwegsehen kann, erlebt einen befriedigenden Krimi. Darüber hinaus hätte ich mir – zusätzlich zu manchem Insel-Unikum, das auf Plattdütsch im Roman zu Wort kommt – mehr Insel-Flair gewünscht: Mehr Meer, mehr Dünen, mehr Strand. Aber den kann sich, wer Langeoog kennt, ja hinzudenken.

Engel aus dem Eis – 4. Krimimini

+++ Die Krimiminis machen eine Pause! Nach Lektorat und Neuanstrich des Covers erscheinen die Krimiminis um Kommissar Aufderpalm demnächst gesammelt – als E-Book und Taschenbuch. Bleibt gespannt! +++


Andrea Martini

Engel aus dem Eis : Kommissar Aufderpalm ermittelt
4. Krimimini
neobooks Selfpublishing
59 S. (inkl. Leseproben)
ISBN 978-3-8476-3553-6
ISBN-10 3-8476-3553-0
E-Book (0,99 €)
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Während die Stadt damit beschäftigt ist, sich über den Sturz eines allseits beliebten Denkmals von seinem Sockel aufzuregen, muss Kommissar Jasper Aufderpalm nach einem verschwundenen Mädchen suchen. Einziger Anhaltspunkt ist der abgebrochene Teil eines Engelsflügels, den sie auf dem Parkplatz neben der Eisbahn finden. Die Mutter des Mädchens ist Aufderpalm keine große Hilfe. Sie scheint wenig daran interessiert, ihre Tochter wiederzufinden. Oder scheut sie sich aus anderen Gründen davor, mit der Polizei zusammenarbeiten? Eine aufreibende Suche beginnt für Jasper Aufderpalm und seinen Kollegen Maik Böser.

Der Schnee schien allen Schmutz aus der Luft gebunden und unter einem weißen Teppich über Straßen, Wiesen und Bäume begraben zu haben. Die Luft war klar und der eisige Wind brannte in seinen Lungen. Kommissar Aufderpalm knöpfte den Kragen seiner Wachsjacke zu und zog sich den Schal enger um den Hals, als er gemeinsam mit seinem Kollegen Maik Böser aus dem Dienstwagen kletterte. Vor dem Eingang zur Eisbahn stand ein Streifenwagen. Eine uniformierte Kollegin sprach mit einer Frau mit Pudelmütze im Norwegermuster, unter der üppige braune Locken hervorquollen. In einen hellbraunen Wollmantel gehüllt, die Beine lässig übereinandergeschlagen, lehnte der Rechtsmediziner Udo Ybelaun am Kotflügel des Streifenwagens und hielt das Gesicht in die eben durch die Wolken brechende Sonne. Wer hatte den hierher bestellt? Von einer Leiche wusste Aufderpalm nichts.

Als der Rechtsmediziner Aufderpalm und Böser nahen sah, richtete er sich auf und kam ihnen mit ausgebreiteten Armen entgegen.

„Was soll das? Warum habt ihr mich bei dieser Kälte hierherbestellt?“

„Darf ich erst mal ankommen und mir ein Bild machen?“, konterte Aufderpalm. Er wusste, wie sehr Ybelaun es hasste, die Katakomben seines rechtsmedizinischen Instituts zu verlassen. Sich so lässig an einen Wagen zu drapieren und der Dinge zu harren, die da kommen mochten, wie er es bei ihrer Ankunft getan hatte, musste den Mann alle Überwindung kosten, deren er fähig war.

Der Rechtsmediziner fixierte ihn mit grimmigem Blick. Seine sorgfältig gezupften Augenbrauen bildeten spitze Dreiecke. Er machte eine weit ausholende Bewegung mit dem Arm. „Sehen Sie hier irgendwo eine Leiche?“

„Wenn Sie mich nicht meine Arbeit machen lassen, werter Herr Kollege, dann wird es hier gleich eine geben. Und die werden dann nicht Sie obduzieren.“ In der Kunst des grimmigen Blicks stand Aufderpalm dem Rechtsmediziner in nichts nach. Er zog die Augenbrauen zusammen und ging an Ybelaun vorbei auf die uniformierten Kollegen zu, ohne den Rechtsmediziner eines weiteren Blicks zu würdigen. Hinter sich hörte er ein empörtes Knurren. Sollte er knurren, dachte Aufderpalm. Als ob ich ihn hierher bestellt hätte.

 

Apfelsinen after work – 3. Krimimini

+++ Die Krimiminis machen eine Pause! Nach Lektorat und Neuanstrich des Covers erscheinen die Krimiminis um Kommissar Aufderpalm demnächst gesammelt – als E-Book und Taschenbuch. Bleibt gespannt! +++

Andrea Martini
Apfelsinen after work : Kommissar Aufderpalm ermittelt
3. Krimimini

neobooks Selfpublishing
39 S. (inkl. Leseproben)
ISBN 978-3-847633-50-1
ISBN-10 3-847633-50-3

Kommissar Jasper Aufderpalm hat den Tod des Bankers Roland Andresen aufzuklären. Zusammen mit seinem Kollegen Maik Böser nimmt er das Umfeld des Toten unter die Lupe. Er hat einen aufwändigen Lebensstil geführt. Aber wie passt die ältere Frau ins Bild, mit der Andresen kurz vor seinem Tod in der Bar gesprochen hat? Und was will sie mit Andresens auffälligem Wagen? In den Unterlagen des Bankers stößt Aufderpalm auf ein Dickicht unsauberer Geschäfte.

„Das wurde aber auch Zeit“, knurrte Ybelaun, als er Aufderpalm vor sich auftauchen sah. „Sind Sie über Kopenhagen gefahren oder warum hat das so lang gedauert?“
Aufderpalm würdigte die Frage Ybelauns keines Kommentars. Stattdessen fragte er: „Was haben wir?“
„Einen Toten“, antwortete Ybelaun. Als ob Aufderpalm Auberginen auf den Augen hätte.
„Und?“ Mit einer Geste forderte Aufderpalm den Rechtsmediziner auf, seine Angaben wenigstens ein bisschen zu präzisieren.
„Was, und?“ Ybelaun stemmte die Hände in die Hüften.
„Woran er gestorben ist, zum Beispiel. Und wann?“
Ybelaun tippte mit dem Zeigefinger auf seine Armbanduhr. Rolex. Imitat.
„Wir könnten mit der Leiche längst im Institut sein, wenn Sie früher hier aufgetaucht wären. Dann könnte ich Ihnen vielleicht schon etwas darüber sagen, was ihn ins Jenseits befördert hat und wann das der Fall gewesen ist.“ Er hob seine Tasche vom Boden auf und stieg mit einem weitgreifenden Schritt über den Anzugträger.
„Lassen Sie mich wenigstens an dem teilhaben, was Sie zum jetzigen Zeitpunkt wissen?“ Gelangweilt lehnte Aufderpalm einen Ellenbogen auf den Tresen. In dieser Stimmung war mit Ybelaun nicht gut Kirschen essen.

 

Eins, zwei, Wiegeschritt! – 1. Krimimini

+++ Die Krimiminis machen eine Pause! Nach Lektorat und Neuanstrich des Covers erscheinen die Krimiminis um Kommissar Aufderpalm demnächst gesammelt – als E-Book und Taschenbuch. Bleibt gespannt! +++


Andrea Martini

Eins, zwei, Wiegeschritt! – Kommissar Aufderpalm ermittelt
1. Krimimini

neobooks Selfpublishing
78 S. (inkl. Leseprobe)
ISBN 978-3-8476-3062-3
ISBN-10 3-8476-3062-8
E-Book (0,99 €)

Der Tod der wohlbeleibten Petra Wüllenweber gibt Kommissar Jasper Aufderpalm Rätsel auf. Der Täter hat ihr einen Weckgummi um den Hals geschlungen und sie dieser Art erdrosselt. Von der Zwillingsschwester der Toten erfahren Aufderpalm und sein Kollege Maik Böser, dass die Frau die Tanzschule besuchte, um einen Mann zu finden. Ist ihr das gelungen? Ist es womöglich der Inhaber der Tanzschule und ist er die Quelle der Hautpartikel, die Rechtsmediziner Udo Ybelaun unter den Fingernägeln der Toten gefunden hat? Oder ist sie einem ihrer Tanzspartner auf die Füße getreten? Bis die Spurenlage ausgewertet ist, ermittelt Maik Böser undercover.

„Waldi! Bei Fuß!“

Eigentlich hatte Kommissar Jasper Aufderpalm dem Spaziergänger, der über die Leiche gestolpert war und die Polizei hierher in den Park gerufen hatte, gesagt, er solle den Hund anleinen. Aber nicht nur dieser Mann schlug seine Anweisungen in den Wind. Auch sein Kollege Maik Böser schien auf Abwegen unterwegs zu sein. Jedenfalls war er bisher nicht am Tatort aufgetaucht.

Die Wolken hingen tief an diesem Morgen. Kaum ein Sonnenstrahl drang in den dicht mit Bäumen bestandenen Wolframspark. Das Herbstlaub lag zu hohen Hügeln aufgeschichtet wie Hünengräber. Einer dieser Haufen war genau das geworden: Das Grab einer Hünin. Der irische Wolfshund namens Waldi, der gerade schwanzwedelnd und schnüffelnd in der Nähe des schmiedeeisernen Parktors umherstreifte, war seiner Spürnase gefolgt, hatte sie in einen dieser Haufen versenkt und dabei den Leichnam freigebuddelt.

Das meint eine Leserin:

Wem der Sinn nach Blut und haarsträubenden Ereignissen steht, ist hier fehl am Platz. Denn dem vorliegenden Krimi scheinen vielmehr die Figurenzeichnung und die Entstehung von Atmosphäre wichtige Anliegen zu sein.  Diese auf den ersten Blick mit einem Krimi unvereinbar erscheinenden Anliegen bewirken jedoch, dass es dem Leser leicht fällt, sich in den ermittelnden Kommissar hineinzuversetzen und daher an der Mordaufklärung teilzuhaben. Die Ermittlung wird somit zu einer Reise, auf der man als Leser Jasper Aufderpalm nur allzu gerne begleitet…für alle Knobel- und Grübelfreunde sicherlich ein Hochgenuss!!