neobooks – Los geht’s!

Seit heute – und damit pünktlich zur diesjährigen Buchmesse in Frankfurt – ist die E-Book-Plattform neobooks des Droemer-Knaur-Verlags für jedermann zugänglich. Noch immer befindet sich die Plattform im beta-Status, doch seit heute stellt sich der “Verlag 2.0″ einem größeren Publikum an Autoren, Lesern, Rezensenten und anderen Interessenten.

Mehr darüber gibt es hier:

Im Artikel des Literaturcafés werden viele Kritikpunkte angesprochen, die ich zusammen mit anderen Betatestern in den letzten Wochen ausführlich im neobooks-Basecamp diskutiert habe. Spannend wird es nun werden, wie sich die Menge der zu erwartenden Manuskripte auf neobooks auf die Qualität der Texte auswirken wird. Wird es zweites BookRix werden, wo es von Schulaufsatzniveau über Selbsthilfegruppenerfahrungsberichte bis zu Reim-dich-oder-ich-fress-dich-Versuchen alles gibt, nur nichts mehr zu finden ist? Oder kann man als Leser dort wirklich Veröffentlichungsreifes finden? Manuskripte, die das Zeug zum Bestseller haben? All das wird sich in der nächsten Zeit zeigen. Im Basecamp jedenfalls herrscht diesbezüglich gespannte Erwartung.

Angela Leinen: Wie man den Bachmannpreis gewinnt

“Gebrauchsanweisung zum Lesen und Schreiben” lautet der Untertitel des Buches von Angela Leinen, das – wie könnte es anders sein – das Versprechen des Titels gar nicht einhalten will. Es soll auch kein Leitfaden zum kreativen Schreiben sein oder gar eine Stilfibel. Die Autorin richtet sich an den Leser und will ihm Anleitung geben, gute von schlechten Texten zu unterscheiden. “Literaturkritik für alle” eben, wie die Einleitung übertitelt ist. Anhand der Texte, die in den letzten Jahren während der “Tage der deutschsprachigen Literatur” in Klagenfurt vorgestellt wurden, möchte sie zeigen, welche Fehler Autoren vermeiden können, um den “idealen Leser” milde zu stimmen. Ein Text sei erst beim Leser wirklich fertig, denn der fügt dem Geschriebenen seine Vorstellungswelt hinzu. Und ob der Text gelungen ist, entscheidet sich erst hier: In den Augen des Lesers.

Wenn man alles zusammen nimmt, hat Angela Leinen dann doch wieder eine Art Anleitung zum kreativen Schreiben verfasst. Denn das Buch behandelt genau die Aspekte, die man auch in einem “Lehrbuch” finden könnte, mehr oder weniger gut illustriert an Beispielen aus Klagenfurt. Es geht um die Auswahl des Stoffs, das Experimentieren mit Sprache, das Erzeugen von Spannung, den Plot, die Gestaltung literarischer Figuren, um Erzählperspektive, Schauplätze, Requisiten und Bedeutungsebenen. Ein Kapitel widmet sie ausführlich dem Dialog, ein anderes dem Thema Sex, das in Klagenfurt-Texten kaum vorkommt, offenbar, weil die Autoren fürchten, sich damit auf zu dünnes Eis zu begeben. Und am Ende geht es dann doch um Stilistisches, wenn sie den Autor bittet, seinen Sorgfaltspflichten nachzukommen, etwa in Bezug auf Textökonomie, Sprachbilder oder einfache Recherchen.

Angela Leinens Buch liest sich wunderbar leicht. Ich habe es an einem Abend durchgelesen. Es ist kurzweilig und amüsant und die Beispiele sind gut ausgewählt. Da sie ausdrücklich persönliche Leseerfahrungen schildert, muss man nicht in allem mit ihr übereinstimmen. An vielen Stellen jedoch konnte ich herzlich schmunzeln.

Angereichert wird das Buch durch Interviews und Gastbeiträge, in denen eine Literaturkritikerin, ein Autor, ein Autor/Lektor, eine Lektorin und eine Literaturagentin zu Wort kommen. Vom Lektor erfährt man darin zum Beispiel, wo er die Autoren findet, die er zur Abgabe eines Manuskripts einlädt. Daneben wird die “Automatische Literaturkritik der Riesenmaschine” vorgestellt, mit der die Betreiber des gleichnamigen Weblogs die in Klagenfurt eingereichten Wettbewerbstexte anhand bestimmter Kriterien bewerten. Ein Teil dieser Kriterien ist im Anhang abgedruckt. Mit dieser Bewertung wurde 2008 Tilman Rammstedt ausgewählt, der später tatsächlich den Bachmannpreis gewann.

Die Autorin unterhält das Weblog “Sopran” und schreibt für das Gemeinschaftsweblog “Lesemaschine”, ein Schwesterschiff der “Riesenmaschine”.

Angela Leinen
Wie man den Bachmannpreis gewinnt

München : Heyne, 2010
broschiert, 12,95 €