Trost-Schmarrn

#fraugunklerkocht

Wann immer die Welt da draußen in Unordnung gerät, bekomme ich Hunger. Ich weiß auch nicht, woran das liegt. Am Wochenende zum Beispiel, als die sogenannten „sozialen Medien“ voll waren mit Chemnitz und Hass und braunem Müll, der durch die Straßen waberte. Und dann gestern, als ich las, dass sich allen Ernstes jemand etwas wünschte, das mit zertrümmerten Schädeln und Ruhestätten zu tun hatte, die als Ort zur Verrichtung von Notdurft dienen sollten.

Mein Magen reagiert da empfindlich. Der braucht an solchen Tagen besonderes Futter. Was von der Pfanne. Und süß muss es sein. Irgendwas mit Kirschen – ich hab noch welche im Tiefkühler. Während ich in das bisschen Teig zusammenrühre, das ich für den Pfannkuchen brauche, brutzeln die Kirschen sich warm in der Butter und tauen allmählich auf. Der Krampf in meinem Hirn lässt sich vom Karamellduft erweichen, der noch eine Bratwurstnote im Gepäck hat, weil ich das Fett auf der Pfanne lasse, egal, was ich später braten will. Hier in meiner Küche entbrennt jetzt auch ein Kampf: ich gegen das Stück Eierschale, das in den Teig gerutscht ist. Sonst herrscht beruhigender Frieden. Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich Fichtenwipfel voller Zapfen, die im Wind wackeln. Nur die Autobahn macht Lärm – wie immer.

Die Welt ist weit weg, denke ich und es zischt beim Ablöschen der Früchte. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen, als wenig später der Teig über die karamellisierten Kirschen fließt. Es riecht nach Butter, Sherry und Ferien in Frankreich, damals, als die Welt noch in Ordnung war. Heute weiß ich, sie war es nie, in Ordnung, meine ich, nur als Kind kriegt man das halt nicht so mit, weil die eigene Welt voller Schule ist und voller Nachmittage im Feld oder im Wald, nachdem es zum Mittag Pfannkuchen gegeben hatte. Die Welt ist auch heute noch in Ordnung, jedenfalls hier bei mir – bis ich die „Fenster“ mit den „sozialen Medien“ öffne und mir die Zukurzgekommenen mit all ihrem Neid zeigen, was sie mit denen zu tun gedenken, die noch ärmer dran sind als sie.

Heute, am Tag nach dem #wirsindmehr-Konzert, gab es neuerlichen Grund für Pfannkuchen. Störche sehe ich einfach lieber auf ihrem Horst in den Fuldawiesen als mit aufgerissenem Maul auf Twitter. Mit Mirabellen war der Schmarrn auch lecker. Welche Früchte nehme ich morgen? Ich habe noch Brombeeren im Gefrierfach. Und die Äpfel draußen am Baum machen sich auch prima im Schmarrn.

Wer jetzt Lust bekommen hat auf Trostpfannkuchen, der nehme:

Für den Teig:
2 gestrichene Esslöffel Mehl
1/2 TL Salz
1 TL Zucker
mit einer Milch/Wasser-Mischung zu einem recht dünnflüssigen Teig verrühren
1 Ei dazugeben und glattrühren.

Früchte nach Wahl  und Saison (Pflaumen, Mirabellen, Äpfel. Birnen > die findet man übrigens gerade überall an Wegrändern und werden oft nicht abgeerntet. Ein Blick auf mundraub.org zeigt, wo man pflücken darf)
in einem Stück Butter andünsten
mit einem TL Rohzucker bestreuen und diesen leicht karamellisieren lassen
das Ganze mit einem Schnaps nach Wahl ablöschen
die Flüssigkeit sollte fast vollständig verdampft sein.

Dann den Teig über die garen Früchte gießen und stocken lassen.

Wer mag, kann den Teig während des Backens zerrupfen und so in Schmarrn-Form bringen. Für die Extra-Dosis Süße nach dem Anrichten den Pfannkuchen bzw. Schmarrn mit Puderzucker bestreuen oder Ahornsirup drübergießen – ist aber auch süß genug ohne.

Nie den Appetit verderben lassen!