#PoppyDay

Es war Sommer, ein Sonntag, Kaiserinnenwetter. Mit einer Freundin hatte ich das Wochenende bei meinen Eltern in Waldhessen verbracht. Nach dem Mittag wollten wir in die Großstadt zurückkehren. Wir hatten uns für eine Ausweichstrecke entschieden, der Staumeldungen wegen. Der Weg, den wir gewählt hatten, führte zunächst über Wirtschaftsstraßen ins Nachbardorf. Wir passierten Felder und Wiesen, fuhren durch hügeliges Gelände mit Fernblick. Das Getreide stand hoch, die Wegrandgras ebenfalls. Wir bogen um eine Kurve – und mussten anhalten. Der Anblick, der sich uns hier bot, verschlug mir den Atem. Ein Getreideacker vor uns blühte blau, rot und weiß vor Kornblumen, Klatschmohn und Kamille. Wir stiegen aus, den Mund offen vor Staunen. Keine von uns hatte eine Kamera dabei. Es waren die Neunziger. Zum Fotografieren brauchte man spezielle Apparate mit Rollen darin, die man einem Fotolabor zum Entwickeln anvertraute. Uns bliebt nichts anderes übrig, als den Anblick in uns aufzusaugen, das Gefühl, das dieser Anblick auslöste, auf der eigenen inneren Festplatte abzuspeichern, um es jederzeit wieder abrufen zu können: dieses Aufsteigen in der Brust, diese Freude, die mir die Tränen in die Augen trieb.
Ich habe sie wiedergefunden, die Farben, das Blau, Rot und Weiß von Kornblumen, Klatschmohn und Kamille. Aber ich musste suchen. Zwischen Weg und Acker blühen sie, an den Rand gedrängt, auf einem schmalen Streifen, den die Giftspritze ausgelassen hat. Insekten schwirren darin: Bienen, Fliegen, Hummeln, Käfer. Es ist ein Gewimmel und Gesumm, als wollten sie sagen: „Wir sind hier. Wir sind nicht mehr viele, aber wir sind hier. Und auch wenn es manchmal nicht danach aussieht, am Ende wird wirklich alles gut.“

Pink in Berlin

Autobahn, allgegenwärtig

Zwetschgenbaum

Genaues Zeichnen: 9.10.16, Tour de Windräder (Elgersbach, Donnertrift, Schiebelberg, Laufzeit: 2 h)

Sonnenstrahlen tasten die Äcker ab wie Suchscheinwerfer; könnten sie anhalten, leuchteten sie vielleicht den Gelbsenf aus, der am Hang gegenüber ihres Küchenfensters blühte, oder die Streuobstwiese, die man von ihrem Wohnzimmerfenster aus sehen konnte, und wo die Schatten der Obstbäume im Gras lagen wie riesige Lollipops.

Die Hügel, Kuppen und Berge entfernten sich in sich abschwächendem Blau, bis von den höchsten Erhebungen der Rhön nur noch eine Ahnung übrig war, die in den durchbrechenden Sonnenstrahlen allmählich verwusch.
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