#PoppyDay

Es war Sommer, ein Sonntag, Kaiserinnenwetter. Mit einer Freundin hatte ich das Wochenende bei meinen Eltern in Waldhessen verbracht. Nach dem Mittag wollten wir in die Großstadt zurückkehren. Wir hatten uns für eine Ausweichstrecke entschieden, der Staumeldungen wegen. Der Weg, den wir gewählt hatten, führte zunächst über Wirtschaftsstraßen ins Nachbardorf. Wir passierten Felder und Wiesen, fuhren durch hügeliges Gelände mit Fernblick. Das Getreide stand hoch, die Wegrandgras ebenfalls. Wir bogen um eine Kurve – und mussten anhalten. Der Anblick, der sich uns hier bot, verschlug mir den Atem. Ein Getreideacker vor uns blühte blau, rot und weiß vor Kornblumen, Klatschmohn und Kamille. Wir stiegen aus, den Mund offen vor Staunen. Keine von uns hatte eine Kamera dabei. Es waren die Neunziger. Zum Fotografieren brauchte man spezielle Apparate mit Rollen darin, die man einem Fotolabor zum Entwickeln anvertraute. Uns bliebt nichts anderes übrig, als den Anblick in uns aufzusaugen, das Gefühl, das dieser Anblick auslöste, auf der eigenen inneren Festplatte abzuspeichern, um es jederzeit wieder abrufen zu können: dieses Aufsteigen in der Brust, diese Freude, die mir die Tränen in die Augen trieb.
Ich habe sie wiedergefunden, die Farben, das Blau, Rot und Weiß von Kornblumen, Klatschmohn und Kamille. Aber ich musste suchen. Zwischen Weg und Acker blühen sie, an den Rand gedrängt, auf einem schmalen Streifen, den die Giftspritze ausgelassen hat. Insekten schwirren darin: Bienen, Fliegen, Hummeln, Käfer. Es ist ein Gewimmel und Gesumm, als wollten sie sagen: „Wir sind hier. Wir sind nicht mehr viele, aber wir sind hier. Und auch wenn es manchmal nicht danach aussieht, am Ende wird wirklich alles gut.“

Ein Bekenntnis

Ich schreibe für mein Leben.
Nicht nur für mein Leben gern, sondern wort-wörtlich „für mein Leben“. Im Schreiben sortiere ich die Ereignisse des Tages, der Nacht, meine Gefühle, Gedanken. Schreiben hilft mir dabei, die Welt zu verstehen, mich selbst zu verstehen, meinen Platz in der Welt zu verstehen, zu begreifen, greifbar zu machen, indem ich aufschreibe, mit dem Stift in der Hand. Schreiben ist Denken. Schreiben ist Entdecken. Schreiben ist Begreifen. Schreiben ist Lernen.  „Ein Bekenntnis“ weiterlesen

Ich komm getz im Fernsehen!

(frei nach Herbert Görgens aka Ingolf Lück)

Wer hätte gedacht, was für die Autorin alles so dranhängt, wenn ein Verlag ein Buch veröffentlicht!
Ein Gespräch mit der örtlichen Zeitungsredakteurin? Kein Problem.
Ein Telefoninterview mit einem Journalisten der Frankfurter Rundschau? Wow. Mach ich doch gern!
Eine Kultursendung im hr-fernsehen will einen Bericht über das Buch bringen? 6 Minuten lang soll er werden? Echt? Ja, geil. Interview geben? Kann ich inzwischen. Nur her mit den Fragen. „Ich komm getz im Fernsehen!“ weiterlesen

Tanken

danken wir dem lieben gott
oder wer den sprit erfunden hat

(c) Andrea Gunkler, 2017

Liste: Windradrunde, 17.06.2017, Laufzeit: 1:20 min

1 Einwegplastikflasche
6 Werbezettel
35 Apfelweindosen
1 braunes Plastikband
2 grüne Papierstreifen
1 Einkaufszettel
1 rotes Plastikband
2 Stück blaue Kordel
1 gelber Plastikstreifen
1 Tempo-Verpackung
3 Zigarettenschachteln
1 gelbes Plastikband
1 schwarzes Plastikstück
1 Stück verkohlte Zigarettenschachtel
1 Stück Alufolie
2 blaue Plastikstäbchen
2 Zigarettenpapiere
1 Plastikflaschenboden
1 Plastikschnapsglas
1 Zigarettenschachteldeckel
19 Schnapsfläschchen, 1 davon voll
2 Flaschendeckel
10 Kronkorken
Blähton
1 verrosteter Kronkorken
1 Handvoll Schnapsfläschchendeckel
1 Zahnseitenhalter
2 Getränkedosenöffner
1 Glasflasche (Pfefferminzschnaps)

Tanken 
Collage 2017
65 x 65 cm
Dispersion, Acryl, Mischtechnik auf Hartfaserplatte (Abfallprodukt aus Fliesenpräsentation)