Notate von der Katz

19. Abrüll 2016, Dinstich

Der Frost hat sich die Nacht um andere geschert. Die Nellikatz will schon raus um halb acht, zur Kellertür, und wieder rin zum Poofen, da is der Blaumann grad los zum Malochen. Im i-Buch gelesen, ‘nen eigenen Text. Zum Fürchten viele Fehler. Das leg ich weg und les von der Regenkatz. Um die Mittagsstunde, ich schnibbel grad den Obstsalat, kommt die Nellikatz aus dem Schlafkabuff und klagt. „Notate von der Katz“ weiterlesen

Alles voller Staub

Alles voller Staub (c) Andrea Gunkler 2016

(c) Andrea Gunkler 2016

Meine Collagen bestehen aus Fundstücken, die ich bei meinen Spaziergängen am Wegesrand aufgesammelt habe: Weggeworfenes, Liegengelassenes, Verlorenes – aus der Natur Gefischtes, womit die Natur nichts anfangen kann. Aber ich.

Liste: 14.5.2016, Elgersbach – Weihersbach (Laufzeit: 1 h, 15 min)

1 Plastiktüte
1 Plastikstopfen
1 Tüte Studentenfutter (voll)
2 Papierstücke
1 Schnupftuchverpackung
1 Stück Zellophanpapier
1 Stück Putz
1 Zigarettenschachtel
1 Plastikrohr rot
1 Kachelscherbe rot
16 Kronkorken
1 Plastikstück blau
1 Riffelkeramikstück
1 Colaflaschendeckel
1 Plastikstöpsel rot
1 Stück Kabelbinder
1 Plastikstück schwarz und weiß
2 Getränkedosen

Alles voller Staub
Collage 2016
47 x 79 cm
Dispersion, Acryl (Mischtechnik), Müll mit Blattgoldauflage
auf ehemaligem Fliesenpräsentationsbrett (Hartfaserplatte)

Recherchieren: City Galerie II

Magia e Pasta (c) Andrea Gunkler 2016

(c) Andrea Gunkler 2016

Bad Hersfeld, City Galerie, Café, 17.4.2016, 14:22 – 14:50

Auf dem Glaskasten über den abgefüllten Getränken Flaschen mit verschiedenfarbigen Flüssigkeiten, dunkelbraun bis klar, Dosierspender, das Etikett trägt den Namen eines Universalgenies der Renaissance. Aromen für ein Getränk, das für sich selbst sprechen kann. „Wir lieben guten Kaffee“ auf den Tassen.
Die Buchhandlung ist vom Tresen aus zu sehen.
Die Bank, auf der die Zeitungsfrau sitzen soll, muss ich tiefer in den Raum stellen, unter der Rolltreppe statt an deren Fuß. Buchhändlerin und Bäckereiverkäuferin könnten sie dann sehen; die Bank und die Zeitungsfrau.
Der Dunstabzug über den Soßentöpfen brummt, beständiger Ton.
Ein elektronischer Ton, Weckton vielleicht, ein Handy oder Telefon?, zwei Mal hintereinander eine Folge aus drei Tönen, „di di di“, hoher Ton, tieferer Ton, nicht ganz so hoher Ton, gleichmäßiger Rhythmus, kehrt in regelmäßigen Abständen wieder. Kann weder Noten noch Kadenzen erkennen. Sind das überhaupt Kadenzen, die Abstände zwischen Tönen auf der Leiter? (Keine Kadenz, habe nachgesehen, was ich meine, ist ein Intervall. Darauf hätte ich auch ohne Internet kommen können.)
Holzpfeffermühle buchenfarben unterarmlang neben Plastikflasche für Dressing, rostfarbener, transparenter Gießaufsatz.
War nicht das Telefon, es tönt beständig elektronisch, „di di di“, aus der Küche vielleicht, das „Hallo“ galt einer Kundin vorm Tresen.
Gedämpftes Plappern, ein Gewebe aus Stimmen, eine hellere sticht heraus, als hätte sich der Teppich an irgendetwas einen Faden gezogen, keine Stimme so deutlich, das Worte verständlich wären.
Ein Wecker „biep biep biep biep“ in schneller Tonfolge überlagert das „di di di“. Einen Biep-Wecker hatte ich selbst mal, hellblau, Reisewecker, nervtötendes Ding.
Weiße Pappkartons zum oben Zufalten hinter dem Glastresen, wie beim Asiaten, neben Basilikumtopf und Pfeffermühle aufgereiht, aufgestapelt – gebratene Nudeln und Asiaschrimps aus einer Bäckerei?
Weiter „di di di“.
Aus der Küche Geschirrscheppern und Besteckrappeln, eine Spülmaschine muss ihre Arbeit beendet haben.
Ich frage mich, ob der etwas modrige Geschmack des Milchschaums vom Milchaufschäumen kommt oder von einem Spülmittel, von dem Reste am Löffel haften.
Es gibt Eiswasser zum Kaffee, serviert mit einem Knusperstück, in Plastik verpackt, auf ovalen graugemaserten Kunststofftabletts, auf die nicht mehr passt als eine Tasse mit Untertasse und das Wasserglas.
Die Tische schlicht viereckig, Vollholz, Landhaus weiß lasiert, die Längsseiten gegen die Maserung mit einem Brett abgesetzt, so dick wie die Tischplatte selbst, das Gestell darunter gerade, etwas fünf Zentimeter vom Tischkantenrand nach innen versetzt, die Tischbeine an den kurzen Seiten unten verstrebt, dazwischen ein Balken als Mittelstrebe unter der Tischlänge entlang, ideale Fußstütze.
Tischdekoration: eine Plastikaloe in faustgroßem grauen Keramiktopf. Ich muss es anfassen, um sicher zu sein, dass der Topf nicht aus Plastik ist. Außerdem ein Holzklotz, oben angeschrägt mit einer Nut darin für die Frühstückskarte.
Über dem Tisch die Brauhausleuchten, gealterte Kupferschirme mit gestanzten Löchern darin, in der Lampe über meinem Tisch fehlt die Birne.
Die Wände treppenartig gefliest bis auf Armausstreckhöhe, hochglanzglasierte Fliesen, waagerecht im Mauerverband geklebt, graubeige, strukturierte Oberfläche, zwischen Küchentür und Fenster nach draußen Stockfotos mit Essensbezug, quadratisch, ebenfalls Hochglanz, unter der Decke im gestrichenen Grau als kapitaler Schriftzug ein Fellini-Zitat: „La vita e una combinazione di magia e pasta.“ Das Zitat muss Rafael bei passender Gelegenheit verwenden.
Rot-rosa Siebdruckoliven seitlich am Dunstabzug.
Klappern, Rattern, Besteck klirrt auf den Boden, Geschirrwagen Richtung Küche, und weiter „di di di“. Ob das Thekenpersonal den Ton noch hört? Dann der Biep-Wecker, zum dritten Mal.
Rascheln: Gebäcktüten. Klappern: Plastiktabletts.
„Ein Getränk dazu?“
„Drei Euro …“
„Das geht schnell. Bis ich abgezogen habe, ist das fertig.“
Münzen klappern in den Plastikschalen der Registrierkasse.
Zeigen mit ausgestrecktem Zeigefinger. „Ich hätte gern …“
Rückfrage mit ausgestrecktem Zeigefinger.
Antwort mit ausgestrecktem Zeigefinger.
Biep-Wecker zum vierten Mal.
Klappern: Backofentür. Schaben: Pizzaschieber. Rascheln: Gebäcktüte.

Nur Ärger

Nur Ärger (c) 2016 Andrea Gunkler

(c) Andrea Gunkler 2016

Meine Collagen bestehen aus Fundstücken, die ich bei meinen Spaziergängen am Wegesrand aufgesammelt habe: Weggeworfenes, Liegengelassenes, Verlorenes – aus der Natur Gefischtes, womit die Natur nichts anfangen kann. Aber ich.

Liste: 6.5.2016, Kirchheim-Reimboldshausen, Parkplatz Seepark, 7:00 – 7:20 Uhr

2 Eisbecher
3 Kaffeebecher
2 Ketchuptütchen, 1 voll
1 Pommesverpackung
2 Soßenbehälter
1 Kuchenverpackung
2 Zellophanhüllen
1 Hundenaschiverpackung
1 Zellophanpapier
1 Kunststoffscheibe
1 Papiertüte
1 Getränkehalterpappe
2 Krustenbratenverpackungen
2 Plastikstreifen
3 Zigarettenschachteln
1 Kaugummidose
15 Bonbonverpackungen
1 Pralinenverpackung
1 Milchshakedeckel
4 Kronkorken
2 Plastiklöffel
1 Safttütenstöpsel
1 Stileisverpackung
2 Feuerzeuge

Nur Ärger
Collage 2016
96,5 x 81 cm
Dispersion, Acryl (Mischtechnik), Müll mit Blattgoldauflage
auf ehemaliger Schrankrückwand (Hartfaserplatte)

Fotografieren: Am Lullusbrunnen

Bad Hersfeld, Rathaus (c) Andrea Gunkler 2016
(c) Andrea Gunkler 2016

Bad Hersfeld, Am Lullusbrunnen, Mittwoch 4.5.2016, 14:21 – 14:47 Uhr

#1 Schnitzeljagd

Vier Jugendliche auf der Rathaustreppe, über Klemmbretter gebeugt, suchen die Rathausfassade nach Antworten ab.

#2 Frischverliebt

Die Schwarzhaarige mit dem knallgelben Kosmetikeinkaufstütchen, Stolz im Blick, am Arm eines Schwarzbekappten, schreitet die Fußgängerzone hinauf.

#3 Kegelausflug

Die eisessende Rentnerherde in Braunbeige, trabt ihrem blauen Hirten hinterher; ein versprengtes Individuum sinniert vor dem Brunnen; eine Ausreißergruppe folgt, will zu Aldi.

#4 Familieneinkäufe

Die Blondaufgesteckte mit dunklem Ansatz, plappert ins Smartphone; das Kind schiebt den Wagen mit dem Kleinkind.

#5 Der Bischof

überbelichtet

#6 Samba

Die drei Schulmädchen, keuchen „nein“ und „doch“, immer abwechselnd; eins im orangefarbenen Tüll für den Karneval in Rio gekleidet.

#7 Brumm

Die Frau mit der rotfeurigen Naturkrause, erklärt dem Kind an der Hand das Motorrad vor der Ampel.

#8 Gewohnheit

Die Weißhaarige im königsblauen Fleece von letzter Woche; trägt heute sienafarbenes Leder und schiebt das Treckingrad in die andere Richtung.

#9 Pflasterschauen

Die zwei Männer mit Glatze, beobachten beide ihre Füße beim Gehen.

#10 Touristen

Die Frau mit dem Rea-Garvey-Knoten und der Grauhaarige mit dem Rucksack, studieren Fassaden mit Kamerasicht.

#11 Hüftschaden

Die Rotblondbraungescheckte, der Rucksack wiegt sich im Pinguinwackelschritt.

#12 Kaffeeklatsch

Die drei Blondgestriegelten, begutachten den Brunnen: eine erklärt, eine nickt, eine geht weiter.

#13 Einer wird’s schon richten

Die drei Schwarzhaarigen, palavern mit Gesten, bis einer geht und die anderen lachen.

#14 Formel 1 zu Fuß

Die acht Personen, ahmen hinter dem Rollstuhl eine Ziehharmonika nach.

#15 Shoppingopfer I

Die drei Bedaunten, halten einen Powwow über den Standort des Geldautomaten ab.

#16 Bürobote

Der Feuerpinsel mit Lederjacke und Röhrenjeans, schaut sich um und flieht fremden Blicken.

#17 Shoppingopfer II

Der Eisgraue, tigert zwischen Kundenfänger und Brunnen.