Soll ich dir Geld geben?

Soll ich dir Geld geben (c) Andrea Gunkler 2016

(c) Andrea Gunkler 2016

Meine Collagen bestehen aus Fundstücken, die ich bei meinen Spaziergängen am Wegesrand aufgesammelt habe: Weggeworfenes, Liegengelassenes, Verlorenes, aus der Natur Gefischtes, mit dem die Natur nichts anfangen kann. Aber ich.

Liste: 30.4.2016 Elgersbach-Schiebelberg (Laufzeit: 1 h, 15 min)

1 Pflanztopf
2 Stück Plastikfolie transparent
1 Getränkepackung
1 Zigarettenschachtel
1 Brillenputztuch
1 Plastikrohr mit Betonfüllung
2 Pappstreifen schwarz
4 Getränkedosen
1 Kaffeebecher
2 Kronkorken
1 Saftpaketverschluss
4 Platikstücke schwarz
1 Plastikstück blau
1 Plastikringsegment
1 Schnuller
1 Ohrmarke (Rind)
1 Zigarettenpapier
1 Puddingdeckel
1 Barcodeetikett
1 Lollistiel
1 Hundenaschiverpackung
1 Zellophanpapier
2 Stück Alufolie
2 Schokoriegelhüllen
1 Bonbonhülle
7 Stück Plastikfolie weiß
1 Rest eines Joghurtbechers
1 Stoffkornblume
2 Kabelbinder
1 Bonbonpackung

Soll ich dir Geld geben?
2016
85 x 81 cm
Dispersion, Acryl (Mischtechnik), Müll
auf ehemaliger Schrankrückwand (Hartfaserplatte)

Recherchieren: City-Galerie I

City-Galerie (c) Andrea Gunkler

Bad Hersfeld, City Galerie
Innen, 25.4.2016 und 26.4.2016, 10:39 – 11:11 und 10:16 – 10:23

Der Eingang zur Galerie ist ein Tunnel, der Besucher auf die Rolltreppe spuckt. Aufzüge, einer rechts im Eingangstunnel, einer links neben der Parfümerie. Keine Treppe. Rechts und links Gänge zu den Geschäften: links Schmuck, Brötchen, Fleisch, Bücher und Bekleidung rechts, zwischen Büchern und Bekleidung der Gang zu Toiletten und Tiefgarage. Toiletten ja, der Zugang zur Tiefgarage scheint geheim. Offener Raum, zwei Etagen hoch, das Untergeschoss sieht nur, wer sich auf die Rolltreppe stellt. Wieder keine Treppe. Die meisten Besucher drängen sich links an der Rolltreppe vorbei, vor der Bäckerei und der Metzgerei entlang zum hinteren Ausgang der Galerie. Hier rechts eine Drogerie, im Knick ein Reisebüro und anschließend eine Apotheke mit einer Plüschkuh vorm Eingang, lebensgroß.
Beton – Säulen, Stürze – eierschalenfarben gestrichen, die Fliesen hellgrau gesprenkelt, dunkelgraue Fugen. Die Zwischendecke rechts treppenförmig auskragend, drei Stufen, jede etwa dreißig Zentimeter hoch. Darüber das Geländer der Empore, Glaswände und Holzhandlauf, halbrund, Buche womöglich oder Birke. Säulen durchstoßen die Galerie von unten bis oben, etwas vom Geländer zurückgesetzt auf der einen Seite; man könnte hindurchgehen zwischen Geländer und Säulen. Wenige Menschen oben.
Über allem ein Pultdach aus Glas, Stahlkonstruktion, Rechteckscheiben, Streben zu den Fenstern für den Mechanismus, damit im Sommer Tauben einfliegen könnten. Im Abstand von sechs Stahlrahmen Lampen, nach umgestülpte Glasvasen größer als Eimer, mit Lochblechen über der Fassung, paarig angeordnet rechts und links der Glasluken, ein Stahlprofil Abstand dazwischen. Die Sonne malt Streifen an den Sturz links, wo die Strahlen von Streben aufgebrochen werden, und Quadrate auf den grauen Fußboden im Lichthof, wo die Ausstellungskuben Platz dafür lassen. Es könnte Sommer sein, wenn die Leute nicht dicke Jacken trügen. Sonnenkaros, strebendurchkreuzt, auch am Sturz über der Drogerie.
Lichtquadrate unter der Brücke der Empore, oben über der Galerie rechts Leuchttüllen mit dem Umfang von Kaffeetassen und runde Leuchten dahinter, über den Eingängen der Geschäfte, Glasrondelle zur Abschirmung, groß wie Kuchenteller. Auf der linken Seite der Galerie eine Reihe dieser runden Leuchten, dann in die Decke eingelassene Quadrate, indirektes Licht von den Rändern, darin paarig angeordnete quadratische Leuchten, Glasquadrate als Abschirmungen, vier Reihen hintereinander, dazwischen Notausgangsschilder. Links sind die Säulen breiter, tragen das Geländer der umlaufenden Empore, dreimal so dick wie die Säulen rechts.
Die Rolltreppe vom und zum Obergeschoss, vom und zum Untergeschoss, wummert unablässig. Im Lichthof raumhohe Ausstellungskuben, rot, gelb, blau, grün – Wanderkino mit Filmen über die Weimarer Republik – versperren Sichtachsen, verwehren Sitzplätze, verdunkeln die Stimmung.
Links hinter dem einsamen Schmuckgeschäft, halb noch im Eingangstunnel, ein Bäckereitresen, über Eck eine Essenstheke, Cafébetrieb, gemischte Sitzzone mit dem Metzger mit Mittagstisch nebenan, nur wenige Tische besetzt. Wandelemente mit Holzdekor als Raumteiler, schaffen so etwas wie Abgeschiedenheit. Rollwagen für benutztes Geschirr zwischen den Tischen, mannshoch, in feste Seitenwände montierte Fächer für Tabletts. Gäste sitzen neben Müll, Essensresten, benutztem Geschirr.
Um die Ecke, entlang des Gangs vor den Rollwagen und den Tischen, die Cafétheke, wo sich die Gäste Kaffee und Menüs auf Tellern abholen, wenn sie sitzen wollen. Spots in der Decke laufen bis über den Brötchenstand, immer zwei dicht nebeneinander, eingebaut in Gitterwürfel, die sich kippen lassen, die Leuchte auf die Wände gerichtet, Lichtflecken blenden im burgunderroten Firmenschild. Über der Essensausgabe so etwas wie Wärmelampen, tief abgesenkt über den Tresen, an der Decke befestigt mit grobgliedrigen Ketten, gedengeltes Kupfer die Deckenanschlussblende, geschliffenes Kupfer die Lampenschirme, die an Brauereien oder jahrhundertealte Gaststätten erinnern.
Am Bäckereitresen Brotlaibe in Regalen unter dem lichtfleckigen Firmenschild, runde, kastenförmige, längliche, zwölf oder dreizehn verschiedene Brotsorten, in der Vitrine davor Brötchen und Gebäck, süß und salzig. Eine Schlange hat sich gebildet. Die Verkäuferin findet für jeden Kunden die passende Ansprache, redet mit einem Kind, ob es etwas Süßes wolle, schaut die Kundschaft an, bis die Bestellung klar ist, zählt das Geld, behält die Kasse im Auge, wenn Kunden bezahlen, redet mit dem Brot, wenn sie die Sorten erklärt. Sie ist blond, nicht mehr ganz jung, aber auch noch nicht mittelalt, lehnt sich über die Theke, den Kunden entgegen, nennt den Preis, tütet Brote und Brötchen ein. Für die Umgebung hat sie keine Zeit. Ihre Stimme übertönt selbst das Dauergemurmel und -getrappel in der Galerie, das Rauschen der Rolltreppe, das Geschrei eines ungeduldigen Kindes. Der Duft von Brötchen wabert um die Schlange.

Wird fortgesetzt …

Was ich wirklich will

Was ich wirklich will (c) Andrea Gunkler 2016

(c) Andrea Gunkler 2016

Meine Collagen bestehen aus Fundstücken, die ich bei meinen Spaziergängen am Wegesrand aufgesammelt habe: Weggeworfenes, Liegengelassenes, Verlorenes, aus der Natur Gefischtes, womit die Natur nichts anfangen kann. Aber ich.

Liste: 19.4.2016 Hattenberg (Laufzeit: 1 h, 15 min)

4 Papierbänder gelb-rot
1 Stück Holzbeschichtung
2 Joghurtbecher Kirsch
1 Togo-Deckel
1 Hundenaschiverpackung
1 Schnupftücherpackung
2 Holzstücke
1 rotes Papierband
1 Zettelabriss
1 Kaudropsverpackung
1 Zigarettenpapier
1 Dr. Perl Junior Filter
1 Gummiband
1 Lollistab
3 Flaschendeckel (2 davon platt)
1 Kronkorken
1 Dosenring
2 braune Scherben
1 grüne Scherbe
5 Plastikscherben
1 Rücklichtscherbe
1 Plastikmesser
4 Computertasten (Shift, Alt, F3, E)

Liste: 21.4.2016 Fischteiche (Laufzeit: 1 h, 15 min)

1 Baumarktkassenzettel
1 rot-weißes Plastikband
6 Kunststoffstücke
2 Waffelplastikstücke
1 Rohrdichtung
1 Schnupftücherpackung
1 Hustenbonbonpackung
6 Pappplastikstreifen
1 Stück Wäscheleine
1 Keramikkorken
8 Gussplastikteile
1 Stück Plastik weiß

Was ich wirklich will
2016
78 x 64 cm
Dispersionsfarbe (Mischtechnik), Müll
auf ehemaliger Schrankrückwand (Hartfaserplatte)

Registrat: Am Lullusbrunnen

Am Brünnchen, Bad Hersfeld (c) Andrea Gunkler 2016

(c) Andrea Gunkler 2016

Am Lullusbrunnen, Bad Hersfeld, 11:47 – 12:06 Uhr, sonnig, 10 Grad

Am Lullusbrunnen vor dem Rathaus in Bad Hersfeld. Mittagszeit. Die südliche Gebäudezeile liegt im Schatten, auf die Treppen vor dem Rathaus scheint die Sonne. Der Wind ist kühl, das Thermometer an einer Apotheke zeigte 6 Grad. Es herrscht Betrieb, ein Kommen und gehen – von oben nach unten, von links nach rechts, von vorn nach unten und so weiter – zu viele Menschen, um sie vollständig zu registrieren. Das Gesammelte bildet einen Ausschnitt aus dem, was insgesamt zu beobachten gewesen wäre.

Zusammenfassend:
Es sind mehr Menschen allein unterwegs als in Begleitung.
Bis auf drei Frauen sind alle Menschen in Bewegung.
Die meisten von ihnen haben ein konkretes Ziel, nur wenige schlendern oder stocken in ihrem Vorankommen.
Die vorherrschende Farben an diesem Tag sind grau und schwarz, gefolgt von Blautönen.
Bis auf eine Person tragen alle langärmelige Oberbekleidung, von zwei Ausnahmen abgesehen Jacken darüber.
Nur eine Person isst, obwohl Mittagszeit ist.
Zwei Personen rauchen.
Nur eine Person trägt einen Anzug.
Eine Person hat auffällig gefärbtes Haar.
Insgesamt fünf Kinderwagen, einen Rollator, einen Hackenporsche, ein Fahrrad und einen Rollstuhl.
Die meisten haben etwas in der Hand – Handtaschen, Einkaufstaschen, Stoffbeutel, Herrenhandtasche, Smartphone, Essbares, Papiere, Kaffeebecher, Kinderhände – oder schieben oder ziehen etwas – Rollator, Rollstuhl, Kinderwagen, Fahrrad, Einkaufstrolley.
Sie sind zielstrebig unterwegs, verweilen kaum. Der Platz am Brünnchen ist ein Durchgangsort.

Eine Dame mit blauem Mantel schiebt einen Rollator bergan, bleibt vor der Buchhandlung stehen, dreht sich um, schaut eine Weile zurück in die Richtung, aus der sie gekommen ist, geht dann weiter nach oben ab.
Ein Mann mit grauem Hut eilt von links heran und biegt nach unten ab.
Eine Jeansjackenfrau schiebt einen Kinderwagen bergan, scheinbar dem Rollator hinterher folgend.
Eine kleine Frau schiebt einen Elektrorollstuhl mit einem massigem Mann darin bergan.
Ein Raucher in Schwarz geht vor dem Brunnen entlang nach unten ab.
Von unten kommt eine Frau mit blauem Kopftuch.
Eine Frau in Türkisjacke mit Sienaledertasche schlendert von oben nach unten.
Ein Anzugträger eilt von rechts nach unten.
Von unten biegt eine dunkelblaue Steppjacke um die Ecke, gefolgt von einem Mann mit Brille in grauem Pullover. Sie geht nach links ab, er steigt in den weißen Lieferwagen, der vor dem Modeschmuckladen geparkt ist, schwarze Dreiecke auf dem Lack mit weißen Quadraten darin.
Personen von vorn – Personen von links
Ein Junge mit Neonfleckenrucksack biegt nach links ab.
Ein Mann in rot-schwarzer Wetterjacke trottet gebückt nach oben ab.
Eine Frau in weißer Daunenjacke ist auf dem Weg nach unten, sie sucht etwas in ihrer Handtasche.
Eine Altherrenweste mit Halbglatze und Kurzarmpique unter der Weste, dunkelblau mit weißen und hellblauen Streifen, hält die Träger des Stoffbeutels ums linke Handgelenk geschlungen, geht mit geradem Blick nach unten ab.
Ein Paar, älter, schlendert an der Buchhandlungen vorbei nach oben, die Blicke mal hierhin, mal dorthin.
Drei Frauen stehen vor dem Bauzaun und dem Durchfahrt-Verboten-Schild, sie schwätzen.
Ein Mann mit weißen Haaren und dunklem Pullover schiebt einen Kinderwagen bergan, neben ihm geht die Türkisfrau mit der Sienaledertasche, aufrecht, unterhält sich mit einer kleinere Frau außen.
Ein Rotschopf hebt einen Graubengel auf den Brunnenrand, der Junge schaut, dann hebt sie ihn wieder herunter und geht mit dem Kind an der Hand nach unten ab.
Der Junge mit dem Neonfleckenrucksack kehrt von links zurück, die Hände in den Hosentaschen, geht nach unten ab.
Ein Mann führt ein Rosakind mit Kindergartenrucksack von rechts heran und nach unten ab.
Nur noch zwei Frauen palavern vor dem Bauzaun, eine mit Pferdeschwanz und Brille, Rock, Strumpfhose schwarz, die andere größer, mit beigefarbenem Rücken und brauner Handtasche.
Rotlocken eilen im Walkingschritt von rechts heran, Ziel zwischen den Zähnen und weiße Sporthose an, gerade Haltung, gerader Blick, sie geht nach links ab.
Die dritte Frau ist wieder bei den beiden anderen vor dem Bauzaun, sie ist kleiner, gestikuliert, erklärt die drei gehen, bleiben zwei Schritte später wieder stehen, schwätzen weiter.
Eine Langbraunhaarige mit schwarzem Pulli, Rissröhrenjeans und weißen Turnschuhen, in der Hand ein Papier, passiert den Brunnen von unten und geht nach rechts ab, der Blick verunsichert.
Zwei Frauen mit langen Haaren schieben Kinderwägen von oben nach unten.
Ein Paar schlendert am Bauzaun entlang von geradeaus, sie trägt eine Sonnenbrille, hat die Hände in den Taschen, schaut sich um, er ist schon um den Bauzaun geboten, sie folgt ihm nach unten.
Der Mann in der rot-schwarzen Wetterjacke stapft von rechts heran, vor dem Brunnen, sein Schritt wankt, er hält den Kopf gesenkt, er geht nach links ab.
Ein Mann in Burgunderjacke mit weißer Baseballmütze kommt von unten vor dem Brunnen entlang, schaut verwundert zur Treppe, wo ich sitze, zögert kurz, geht ohne Halten weiter nach rechts ab.
Eine Frau mit Burgundersteppjacke und Kurzhaarschnitt rauscht von rechts heran und nach eilt links ab.
Ein rundlicher Weißkranzglatzkopf strebt bergan, gebückt, eine Herrenhandtasche in der Rechten. Er stoppt hinterm Brunnen, bleibt ein paar Sekunden, und als ich ihn wieder im Blickfeld habe, ordnet er die Kleidung, steckt sich im Gehen nach oben das Hemd in den rückwärtigen Hosenbund.
Eine Frau mit Haarknoten, sie trägt einen schwarzen Blouson und Stelzenjeans, Sonnenbrille im Gesicht, ihr Blick ist gesenkt auf den Togo-Becher in ihrer Rechten, schlendert nach oben.
Eine Frau mit dunkelblauer Karosteppjacke klackert von unten heran, ihr Pferdeschwanz blondiert, die Louis-Vuitton-Kopie unter den Arm geklemmt, klackert sie nach links ab.
Eine Frau mit Kopftuch mit pink-türkisfarbenem Muster trottet von unten herauf und geht nach links ab.
Eine Frau in Königsblaustepp überquert von links kommend den Platz, strebt am Bauzaun entlang geradeaus, verschwindet im Blauschatten der Buchhandlung.
Eine Frau in weißer Jeans, Schwarzjacke, die schwarzen Haare zum Dutt frisiert, führt ein Kleinkind an der Hand. Das Kind hat einen Pferdeschwanz, es kreischt im Umdrehen, rennt zurück, auf einen vor dem Brunnen folgende Gruppe zu, begrüßt zwei andere Kleinkinder und zwei Frauen mit Kinderwagen, gemeinsam gehen sie nach unten ab.
Eine Frau mit denimblauem Pixieschnitt und Sonnenbrille vor den Augen spaziert von links heran, raucht, beklagt sich bei ihrem Smartphone, das sie in der aufgeklappten Schutzhülle flach vor den Mund hält: Muss ich jetzt so lang warten? Sie geht nach unten ab.
Ein Mann in Schwarz, groß, Dreitagebart, gefolgt von einer Frau mit weißem Kopftuch und blaugeblümtem Rock, er wartet vor dem Brunnen, bis sie da ist, spricht mit ihr, gemeinsam gehen sie nach unten.
Eine Frau in königsblauem Fleece mit weißen Locken schiebt ihr Treckingrad bergan. Dabei schaut sie sich in alle Richtungen um.
Ein Mann mit Piratenbart und Sonnenbrille, Hose, Hemd, Weste: grau, grau, grau, strebt von unten kommend nach rechts weg.
Eine Frau mit Zebramusterfleece, rote Haare, die Bügel der Handtasche fest in der Hand, zieht einen Hackenporsche hinter sich her nach oben.
Eine Frau mit brauner Wildlederjacke schlendert von rechts heran, im Ellenbogen trägt sie einen Wildledershopper und geht nach unten ab.
Ein Rosafrauchen mit blondiertem Kurzschopf und rosa Handkoffer mit goldfarbenen Knöpfen im Ellenbogen beißt im Gehen in Gebackenes und geht nach links ab.
Voraus die Baustelle mit orangegelbem Kran, den Arm in der Luft über dem Dach nach unten geschwenkt, Löcher im Grünvorhang wie Augen mit Tränensäcken.

 

Waldes Ruh

Gefällte Buchen (c) Andrea Gunkler 2016

(c) Andrea Gunkler 2016

Ins Auge gesprungen: 19. April 2016, Hattenberg (13:30 – 15:15 Uhr)

#1  Kleintierstreu
Die Kleintierstreu im Hasenklee einen Meter vor dem gelben Durchfahrtverbotenschild.

#2 (gesucht) Nummer 4
Die Buche mit der aufgemalten ‚4‘, die Blattknospen dunkelrot, kurz vor dem Aufbrechen. (Ich soll sie von der Nachbarin umarmen und ihr einen Gruß bestellen.)

#3 Kiefernsamen
Der Kiefernsamen, der vor meinem Gesicht propellert und auf dem feuchten Waldweg eine Dreipunktlandung hinlegt.

#4 Fichtenstämme
Die Fichtenstämme, die sich neonorangebeschriftet am Wegrand stapeln und auf den Beginn der Verwertungskette warten.

#5 Buschwindröschen
Das Buschwindröschen, das erhaben auf der Furche der Rückegasse thront, über traktorgespurtem Matsch.

#6 Etiketten
Die Etiketten, die an der Schnittfläche der Stämme entscheiden, ob Möbelhaus oder Pelletfabrik.

#7 Planiermoränen
Die Planiermoränen – Schotter, Steine, ausgerissene Mittelstreifenkräuter -, die den Wegrandbewuchs ersticken.

#8 Fichtenstämme
49 Fichtenstämme im 3m-Gleichmaß mit hummerfarbener Schrift am Schnitt, die unter Moos Kohlendioxid in die Umgebung hauchen.

#9 Schleifen
Schleifen um Baumstämme, rot und gelb diagonal gestreift, an Buchen mit zackigen Ästen, wie geschenkverpackt.

#10 Lache
Die Lache in der Rückegasse, in der sich Aprilwolken spiegeln, dahinter abgesägtes Astgetümmel.

#11 Kiefernkrone
Die Kiefernkrone, die Jungbuchen niederdrückt, ihr Stamm geborsten wie nach einer Explosion.

#12 Rehe
Die Rehe im Unterholz, den Spiegel dem Weg zugewandt, starren, wittern, fliehen.

Listen

2 Rehe, 7 Autos, 1 Quad (tuckert), 1 Anhänger, 1 Bauwagen („Mobile Waldbauschule“), 1 Generator (brummt), 2 Motorsägen (kreischen), 8 Menschen (palavern), 1 Zug (Bremsen quietschen), 1 Kampfflugzeug (dröhnt)

Zahlen

4, 16, 22, 12, 41, 14, 38, 146919, L620, P.3, 30, 36, 06303, 06289, 06295, 06302, 06308, 16, 35, 06297, 06290, 06298, 06245, 06243, Punkt, Punkt, Punkt, Punkt, Punkt, drei Punkte, Punkt, Punkt, 06307, 06301, 06293, 06294, 06299, 06288, 35 Stk, 35, 146919, L280, P.2, 45, L289, 146919, 45

Farben der Zahlen

neonorange, blasshummerfarben, neongrün, königsblaubuntstift